
Ebola und Krieg im Kongo: WHO fordert sofortige Waffenruhe
WHO-Generaldirektor Tedros warnt vor einer „katastrophalen Kollision“ von Krankheit und Konflikt in Ostkongo – über 900 Verdachtsfälle, kein zugelassener Impfstoff verfügbar.
Die Lage im Osten der Demokratischen Republik Kongo spitzt sich dramatisch zu: Der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation, Tedros Adhanom Ghebreyesus, hat am Mittwoch eine sofortige Waffenruhe gefordert, um den sich rasant ausbreitenden Ebola-Ausbruch einzudämmen. In den Provinzen Ituri, Nord-Kivu und Süd-Kivu verzeichnet die WHO seit der offiziellen Erklärung am 15. Mai nach jüngsten Angaben rund 900 Verdachtsfälle und 223 mutmaßliche Todesopfer, wobei labortechnisch bislang 105 Infektionen und zehn Todesfälle bestätigt wurden. Der Erreger gehört zum Stamm Bundibugyo, gegen den es weder einen zugelassenen Impfstoff noch eine spezifische Therapie gibt – ein Umstand, der die Bedrohung erheblich verschärft.
Aus Genfer Sicht ist es vor allem der bewaffnete Konflikt, der die Eindämmung nahezu unmöglich macht. Milizen der mit Ruanda verbündeten Bewegung 23. März (M23) sowie weitere Gruppen wie die Forces Démocratiques de Libération du Rwanda (FDLR) und lokale ethnische Milizen der Hema und Lendu liefern sich seit fast drei Jahrzehnten immer wieder Kämpfe. Massenvertreibungen drängen Zehntausende in überfüllte Lager, in denen das Virus ideale Bedingungen findet. „Wir können kein Vertrauen in den Gemeinschaften aufbauen oder Kranke isolieren, während Bomben fallen“, erklärte Tedros auf der Plattform X. Die WHO geht davon aus, dass die tatsächliche Ausbreitung weit größer ist als die offiziellen Zahlen vermuten lassen, denn Kontaktverfolgung und Labortransporte sind in den unzugänglichen, umkämpften Gebieten oft tagelang unterbrochen.
In der Bevölkerung der betroffenen Region stößt das Eingreifen externer Helfer auf tiefsitzendes Misstrauen. Jahrzehntelange Vernachlässigung durch den Staat und die allgegenwärtige Unsicherheit haben vielerorts zu Leugnung der Krankheit oder gar Feindseligkeit gegenüber Gesundheitsteams geführt. Im Epizentrum um Mongbwalu, keine 100 Kilometer von der ugandischen Grenze entfernt, bewegen sich Goldgräber, Händler und Motorradfahrer weitgehend unkontrolliert zwischen den Fronten. Der Ausbruch hat bereits auf ugandisches Territorium übergegriffen und bedroht die gesamte Region der Großen Seen.
Aus Washingtoner Sicht werden unterdessen Vorkehrungen getroffen: Amerikanische Staatsbürger, die mit dem Virus in Kontakt gekommen sein könnten, sollen zur Beobachtung und Behandlung nach Kenia gebracht werden. Für Deutschland, Österreich und die Schweiz besteht derzeit keine unmittelbare Gefahr, doch mahnt die internationale Gesundheitskrise, die globalen Frühwarnsysteme nicht zu vernachlässigen. Ohne eine belastbare Waffenruhe dürfte sich der Ausbruch weiter ungebremst ausdehnen und die Gefahr steigen, dass sich das Virus über Flug- und Landwege auch in entfernte Weltregionen verlagert – eine Entwicklung, die an die Erfahrungen mit der westafrikanischen Ebola-Pandemie von 2014 erinnert.
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Im Epizentrum des Ausbruchs schwanken viele Einheimische zwischen Kritik an der staatlichen Reaktion und der Leugnung der Existenz von Ebola. Jahrzehntelange Vernachlässigung und Konflikte haben tiefes Misstrauen geschaffen, während Goldgräber und Händler weiter durch die Region ziehen und die Eindämmung erschweren.
Die internationale Reaktion auf den Ebola-Ausbruch hinkt Wochen hinterher und verpasst Tausende potenzielle Kontakte. Misstrauen, bewaffnete Gewalt und chronische Finanzierungslücken behindern die Eindämmung, sodass Gesundheitsbehörden kaum mit der Nachverfolgung der Ausbreitung nachkommen.
Die WHO warnt, dass es unmöglich ist, Kranke zu isolieren, während Bomben fallen, und fordert eine sofortige Waffenruhe im Osten Kongos. Der Ausbruch kollidiert mit dem bewaffneten Konflikt und unterbricht die Nachverfolgung und Bekämpfung in der Region Kivu.
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