
Xi Jinpings Besuch in Pjöngjang: Ein Balanceakt zwischen Freundschaft und geopolitischer Rivalität
Chinas Staatschef reist erstmals seit sieben Jahren nach Nordkorea, um den Einfluss Pekings gegenüber Moskau zu sichern und das Bündnis der «unbesiegbaren Freundschaft» zu erneuern.
Xi Jinping ist am Montag zu einem zweitägigen Staatsbesuch in Pjöngjang eingetroffen – seiner ersten Reise nach Nordkorea seit 2019. Am Flughafen empfingen ihn Kim Jong Un und dessen Ehefrau Ri Sol-ju mit Handschlag, berittener Ehrengarde und 21 Salutschüssen; auf dem Kim-Il-sung-Platz säumten jubelnde Menschenmassen die Straße. Der chinesische Präsident sprach in einem Artikel für das Parteiorgan Rodong Sinmun von einer «unbesiegbaren Freundschaft» und einem «neuen historischen Ausgangspunkt» der Beziehungen.
Offiziell würdigt der Besuch das 65-jährige Bestehen des chinesisch-nordkoreanischen Freundschaftsvertrags von 1961, der bis heute Pekings einziges formelles Verteidigungsbündnis darstellt. Xi kündigte an, die Zusammenarbeit in Handel, Agrartechnologie und Infrastruktur auszuweiten. Der Zeitpunkt ist jedoch strategisch gewählt: Erst vor Wochen hatte Xi nacheinander Donald Trump und Wladimir Putin in Peking empfangen. Gleichzeitig hat sich Pjöngjang militärisch und wirtschaftlich eng an Moskau gebunden, liefert Waffen und Soldaten für den Ukrainekrieg – ein Umstand, den der ukrainische Präsident Selenskyj in einem kürzlich von Putin zurückgewiesenen Schreiben scharf kritisierte.
Aus westlicher und asiatischer Perspektive versucht China, seinen traditionellen Einfluss auf das unberechenbare Regime zurückzugewinnen und dem wachsenden russischen Gewicht entgegenzuwirken. Beobachter in Washington sehen in der Reise eine Festigung der Achse zwischen Gegnern der USA, während Pekings Staatsmedien eine subtile Spitze gegen Japan einflochten: Xi forderte, «alle Bestrebungen zur Wiederbelebung des Militarismus» zurückzuweisen. Europäische Diplomaten blicken besorgt auf die Verstetigung der Waffenlieferungen an Russland, die den Krieg in der Ukraine verlängern und Sanktionsregime unterlaufen.
Der Besuch inszeniert demonstrative Nähe, doch grundlegende Spannungen bleiben: China will Nordkorea als Pufferstaat erhalten, ohne von dessen Nuklearambitionen in eine Krise gezogen zu werden. Eine Wiederbelebung der festgefahrenen Gespräche mit Washington zeichnet sich nicht ab. Für Deutschland und die Schweiz bedeutet die gefestigte Partnerschaft, dass die multilaterale Einbindung Pjöngjangs schwieriger und die sicherheitspolitische Lage in Ostasien wie in Europa enger verzahnt wird. Xi bewegt sich auf einem schmalen Grat – er muss einen Verbündeten umarmen, den er weder beherrschen noch aufgeben kann.
| Atlantische / angloamerikanische Presse | −0.60 | critical |
|---|---|---|
| Kontinentaleuropäische Presse | −0.30 | critical |
| Chinesische Presse | +0.80 | aligned |
| Japanisch-koreanische Presse | −0.70 | critical |
Der Besuch unterstreicht die strategische Ausrichtung zwischen zwei Gegnern der USA, wobei Peking seinen Einfluss auf Pjöngjang wieder geltend machen will, während dieses seine Beziehungen zu Moskau vertieft. Das Treffen festigt einen den amerikanischen Interessen feindlich gegenüberstehenden Block und lässt eine instabilere regionale Ordnung erwarten.
Der erste Besuch Xis in Nordkorea seit sieben Jahren belebt eine historische Allianz, doch der nukleare Hintergrund und die wachsende Achse Moskau-Pjöngjang dämpfen den Optimismus. Analysten betrachten den Besuch als Versuch Pekings, seine Peripherie zu stabilisieren und nicht ins Abseits zu geraten, doch die Unberechenbarkeit Nordkoreas schränkt den Spielraum für dauerhafte Fortschritte ein.
Der Besuch markiert ein neues Kapitel in der ewigen Freundschaft zwischen China und Nordkorea, die auf gemeinsamen sozialistischen Traditionen und gegenseitiger Unterstützung beruht. Peking verspricht unerschütterliche Zusammenarbeit und betont, dass die bilaterale Beziehung eine strategische Priorität bleibt, unbeeindruckt von externen Turbulenzen oder Druck.
Xis Besuch ist ebenso eine nordkoreanische Nukleardemonstration wie eine Warnung an Japan, dem Tokio vorgeworfen wird, den Militarismus wieder aufleben zu lassen. Die Parade von sechzig Atomsprengköpfen und die implizit antijapanische Rhetorik nähren erhebliche Sicherheitssorgen in der Region, angesichts des wachsenden Arsenals Pjöngjangs und der Komplizenschaft Pekings.
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