
Zensur und Zwang: Von Afghanistan bis Algerien geraten Frauen ins Visier der Behörden
Während in Herat Proteste gegen die Verhaftung von Frauen wegen „unangemessener Kleidung“ gewaltsam niedergeschlagen werden, nehmen algerische und marokkanische Behörden Frauen wegen Online-Äußerungen fest.
In der westafghanischen Stadt Herat haben Sicherheitskräfte der Taliban eine Protestwelle gegen die Festnahme von Frauen wegen angeblicher Verstöße gegen die Kleiderordnung gewaltsam niedergeschlagen. Laut Berichten, die Iran International vorliegen, kamen dabei mindestens zwei Menschen ums Leben, darunter ein Kind. Angehörige der willkürlich Inhaftierten wissen oft nicht, wo sich die Frauen befinden. Die Polizeiführung von Herat wies die Vorwürfe zurück und drohte zugleich mit weiterem Durchgreifen gegen jegliche Störung der öffentlichen Ordnung – eine Einschüchterung, die für Freitag geplante neue Proteste im Keim ersticken soll. Die Rückkehr zu einer rigiden Geschlechterpolitik erinnert an die erste Taliban-Herrschaft und stößt international auf scharfe Kritik, ohne dass dies bislang spürbare Konsequenzen hätte.
Parallel dazu geraten im Maghreb Frauen für ihre Online-Aktivitäten ins Visier der Justiz. In Algier nahm die Polizei eine junge Frau fest, die auf TikTok ein Video mit „Hassrede“ gegen das Viertel El Harrach verbreitet haben soll. Bei der Durchsuchung fanden die Beamten zudem eine geringe Menge Cannabis. Die Festgenommene wurde einem Haftrichter vorgeführt und sitzt seither in Untersuchungshaft. Ähnlich erging es einer 30-jährigen Marokkanerin in Taounate, die auf Instagram fälschlich behauptet hatte, 14 minderjährige Schülerinnen seien in einem Wohnheim sexuell missbraucht worden. Auch sie befindet sich in Untersuchungshaft und muss sich kommende Woche vor Gericht verantworten.
Die drei Fälle offenbaren ein regionales Muster: Ob durch physischen Zwang in Afghanistan oder durch die strafrechtliche Verfolgung von Online-Äußerungen in Nordafrika – abweichendes weibliches Verhalten wird systematisch sanktioniert. Die Gesetze gegen Hassrede und Fake News, die in Algerien und Marokko zur Anwendung kamen, dienen zunehmend als Instrumente, um kritische Stimmen mundtot zu machen. Gleichzeitig dokumentieren sie eine wachsende Sensibilität der Behörden gegenüber digitalen Plattformen, die als Räume unkontrollierter Meinungsäußerung gelten.
Für Europa, insbesondere für die Zielländer von Migranten aus diesen Regionen, werfen die Entwicklungen Fragen auf. Sie unterstreichen die prekäre Lage von Frauenrechten in autoritären Kontexten und könnten Fluchtbewegungen weiter anfachen. Zugleich mahnen Menschenrechtsorganisationen, dass wachsende Online-Überwachung auch in demokratischen Staaten Einzug hält – ein Trend, den es kritisch zu beobachten gilt.
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