
Zwei Schießereien an Fitnessstudios in Nordindien: Organisierte Kriminalität im Visier
Innerhalb weniger Stunden werden in Haryana und Delhi Schüsse auf Fitnessstudios abgegeben – ein Besitzer stirbt, ein weiterer Vorfall wird dem Lawrence-Bishnoi-Syndikat zugeschrieben.
In Nordindien haben sich innerhalb weniger Stunden zwei schwere Schießereien an Fitnessstudios ereignet, die auf eine zunehmende Verflechtung von organisierter Kriminalität und öffentlicher Gewalt hindeuten. In Hansi, Haryana, wurde am frühen Donnerstagmorgen der Fitnessstudiobesitzer Kapil vor seinem Studio von zwei maskierten Motorradfahrern aus nächster Nähe mit zehn Schüssen getötet. Eine Frau wurde verletzt. Die Täter flüchteten unerkannt. Die Tat ereignete sich während einer öffentlichen Trainingsstunde, die der 35-Jährige vor seinem Studio abhielt. Die Polizei wertet Überwachungsvideos aus, die die Tat minutengenau dokumentieren.
Parallel dazu wurde in Delhi, rund 150 Kilometer entfernt, auf ein Fitnessstudio geschossen, das mit dem Punjabi-Sänger Guru Randhawa in Verbindung steht. Zwei Unbekannte feuerten gegen vier Uhr morgens sieben Schüsse auf das „24 Hs Fitness“ in Paschim Vihar ab. Eine Splittergruppe des Lawrence-Bishnoi-Syndikats reklamierte die Tat über soziale Medien für sich und nannte als Motiv die Verbindung des Studios zu Bollywood-Star Salman Khan. Die Bishnoi-Gruppe hatte Khan bereits mehrfach bedroht; ein Mitglied der Bande wurde 2018 wegen eines Mordanschlags auf den Schauspieler verurteilt.
Aus Sicht von Sicherheitsexperten in Delhi zeigen die beiden Vorfälle ein besorgniserregendes Muster: Fitnessstudios werden zunehmend zu Zielen organisierter Kriminalität, sei es als Schauplatz von Bandenrivalitäten oder als Druckmittel gegen Prominente. Die zeitliche Nähe der Taten – beide ereigneten sich am frühen Morgen des 6. März – lässt auf eine koordinierte Aktion schließen, auch wenn die Polizei bisher keine Verbindung zwischen den Fällen bestätigt hat. In Haryana ermittelt die Kriminalpolizei, während in Delhi der Geheimdienst eingeschaltet wurde.
Die Vorfälle werfen ein Schlaglicht auf die wachsende Macht krimineller Netzwerke in Nordindien, die zunehmend auch öffentliche Räume wie Fitnessstudios für ihre Zwecke instrumentalisieren. Für die deutschsprachige Öffentlichkeit sind diese Entwicklungen relevant, da sie die Sicherheitslage in einer wirtschaftlich bedeutenden Region Indiens illustrieren, die auch für deutsche Unternehmen und Reisende von Interesse ist. Die indischen Behörden stehen vor der Herausforderung, die organisierte Kriminalität einzudämmen, ohne die bürgerlichen Freiheiten übermäßig einzuschränken – ein Balanceakt, der auch in Europa genau beobachtet wird.
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