
Zweite Tankerentehrung in zehn Tagen: Somalische Piraten kapern „MT Eureka“ vor Jemen
Die erneute Kaperung eines Öltankers vor der jemenitischen Küste hat die internationale Schifffahrtsgemeinschaft alarmiert. Nach Angaben mehrerer Sicherheitsbeamter der halbautonomen somalischen Region Puntland überwanden Unbekannte am Samstag die Besatzung des unter der Flagge der Vereinigten Arabischen Emirate fahrenden Tankers „MT Eureka“ nahe des Hafens Qana in der Provinz Schabwa und steuern das Schiff nun auf somalische Hoheitsgewässer zu. Es ist bereits der zweite derartige Zwischenfall innerhalb von zehn Tagen, nachdem somalische Piraten am 22.
April den Tanker „Honor 25“ mit 18 500 Barrel Rohöl aufgebracht hatten. Die jemenitische Küstenwache bestätigte den Vorfall und erklärte, sie habe Patrouillenboote aus Aden und Schabwa zur Verfolgung entsandt, koordiniere aber zugleich mit internationalen Partnern im Golf von Aden. Angaben zur Besatzung und zur Ladung liegen noch nicht vor; die somalische Seesicherheitsbehörde äußerte sich bislang nicht.
Aus Sicht der somalischen Regionalverwaltung von Puntland, die das Küstengebiet um Qandala kontrolliert, sind die jüngsten Aktionen ein Beleg dafür, dass die einst durch internationale Marinemissionen zurückgedrängte Piraterie am Horn von Afrika wieder auflebt. Beobachter in Washington verweisen auf die prekäre Sicherheitslage im Bab el‑Mandeb, der strategischen Meerenge zwischen Rotem Meer und Indischem Ozean, durch die ein erheblicher Teil des Erdöltransports aus dem Persischen Golf nach Europa führt. Die Nato, die in den 2000er und 2010er Jahren mit der Operation „Ocean Shield“ gegen somalische Piraten vorging, hat ihre Präsenz im Golf von Aden zuletzt reduziert, was die Lage aus militärischer Perspektive anfällig macht.
Für Deutschland, Österreich und die Schweiz, deren Volkswirtschaften in hohem Maße von ungehinderten Seewegen durch den Suezkanal abhängen, gewinnt die Entwicklung unmittelbare Brisanz. Die wiederholten Angriffe drohen die Versicherungsprämien für Tanker in der Region in die Höhe zu treiben und könnten Reedereien zu Umwegen um das Kap der Guten Hoffnung zwingen, was die Transportkosten für Rohöl und Raffinerieprodukte empfindlich steigern würde. Analysten erwarten, dass die internationale Gemeinschaft – ähnlich wie nach der Welle der Piraterie vor 2010 – neue Kooperationsmodelle mit den regionalen Behörden in Puntland und Somaliland suchen muss, um die Seewege nachhaltig zu sichern.
Die Regierung in Mogadischu, die ohnehin nur über einen schmalen Küstenabschnitt verfügt, dürfte dabei kaum eine tragende Rolle spielen können.
Erweitere deinen Horizont
Washington entzieht brasilianischer Botschafterin das Visum
3 Sprachen · 43 Quellen
Aus Economy & MarketsSteigende Kreditvorsorgen belasten Bankbilanzen in Schwellenländern
2 Sprachen · 6 Quellen
Aus TechnologyWeißes Haus schließt offene KI-Modelle von Sicherheitstests aus
3 Sprachen · 11 Quellen