
Zwischen Saftkur und SMAS-Lift: Die vielen Gesichter des sichtbaren Alterns
Von Lynda Carters Badewanne bis zu einer neuen iranischen Operationstechnik – eine Spurensuche durch die Strategien, mit denen Frauen in der Öffentlichkeit der Zeit begegnen.
Es ist ein Bild, das die sozialen Netzwerke in Aufruhr versetzte: Lynda Carter, die unvergessene „Wonder Woman“, mit 75 Jahren in einer Badewanne im Freien, umgeben von Seifenblasen, einen Martini in Reichweite. Die Schauspielerin bewarb ihren neuen Film, doch die Kommentare unter dem Instagram-Post galten vor allem ihrer jugendlichen Erscheinung. „Mein Gott, wird sie jünger?“, schrieb ein Fan. Carter selbst gab später in einem Interview den trockenen Hinweis, sie habe sich nie das Gesicht operieren lassen – aus Angst vor misslungenen Eingriffen. Das Geheimnis liege vielmehr in „guten Leuten, die Haare und Make-up machen“. Ein Satz, der die Illusion entzaubert und doch eine ganze Industrie beschreibt.
Denn der Wunsch, das Äußere zu verjüngen, nährt längst ein ganzes Arsenal an Methoden jenseits des Skalpells. Die in sozialen Medien bekannte Visagistin María Ferjol etwa behauptet, allein die richtige Platzierung von Rouge könne „bis zu zehn Jahre jünger“ machen. Statt der klassischen „Apfelbäckchen“ empfiehlt sie, die Farbe hoch am Wangenknochen in Richtung Schläfe zu verblenden – ein optischer Lifting-Effekt, der ohne jeden Eingriff auskommt. Lindsay Lohan wiederum, deren verjüngtes Aussehen 2024 für Spekulationen über kostspielige Operationen sorgte, dementierte diese und verwies auf einen morgendlichen Saft aus Karotte, Ingwer, Zitrone, Olivenöl und Apfel, ergänzt um grünen Tee und eine disziplinierte Hautpflege. Heidi Klum, mit 53 Jahren im knappen Bikini auf einer Yacht vor St. Barts fotografiert, erzählte, ihr Ehemann habe sie zum Zunehmen ermutigt: Mit dem Alter sehe man besser aus, wenn man nicht zu dünn sei – eine Haltung, die in der schlankheitsfixierten Branche selten zu hören ist.
Doch so vielfältig die nicht-invasiven Rezepte sind, so sehr zeigen sie auch ihre Grenzen. Die Neuenburgerin Isabelle, 55 Jahre alt und gewissenhafte Anwenderin von Lotion, Serum und Creme, musste feststellen, dass ihr Hals „fünfzehn Jahre älter als ihr Gesicht“ wirkt. Die Pariser plastische Chirurgin Déborah Obadia bestätigt dieses Phänomen: Gerade Frauen, die viel in die Gesichtspflege investierten, vernachlässigten die anatomisch besonders empfindliche Halspartie, die dann zum Altersindiz werde. Ein Befund, der die Aufmerksamkeit auf jene Bereiche lenkt, die sich mit Pinsel und Tiegel allein kaum erreichen lassen.
Dass die Gesellschaft diesen Zeichen der Zeit mit wachsender Unduldsamkeit begegnet, beklagt die brasilianische Schauspielerin Claudia Ohana. Mit 63 Jahren wehrt sie sich gegen ein Jugendkult, der Frauen nach dem sechzigsten Lebensjahr unsichtbar mache. „Ich bin verdammt noch mal alt“, sagt sie provokativ und fügt hinzu, es gebe keine andere Art zu leben als zu altern. Wer sie im Netz als „alt“ beschimpfe, offenbare nur die eigene Angst vor dem Unvermeidlichen. Ohanas Trotz steht in scharfem Kontrast zu jener Haltung, die Brandy Ledford, 57, einst Bademeisterin in „Baywatch: Hawaii“, verkörpert: Sie bekennt sich offen zu Botox und Blondierung, setzt auf schweres Krafttraining für Knochendichte und Langlebigkeit und hat nicht vor, „den Bikini an den Nagel zu hängen“.
Am anderen Ende des Spektrums schließlich arbeitet die Medizin an immer tiefer greifenden Lösungen. Im Iran wurde nach fünfzehn Jahren Forschung eine neue Facelift-Technik entwickelt, der sogenannte Supreme Face Lift. Anders als oberflächliche Straffungen zielt er auf das tiefe muskuläre und fasziale Stützsystem des Gesichts, das SMAS, und versucht, die abgesunkenen Strukturen in ihre ursprüngliche Position zurückzuführen. Nicht die Falte, sondern die verlorene architektonische Harmonie des Gesichts steht im Zentrum. Zwischen Lynda Carters Badezuber, einem Glas Karottensaft und einem Operationssaal in Teheran entfaltet sich so eine Landkarte des Umgangs mit der eigenen Vergänglichkeit – so individuell wie die Gesichter, die sie zu bewahren suchen.
| Lateinamerikanische Presse | +0.20 | neutral |
|---|---|---|
| Atlantische / angloamerikanische Presse | +0.60 | aligned |
| Kontinentaleuropäische Presse | −0.10 | neutral |
| Iranische & verwandte Presse | 0.00 | neutral |
Latin American women do not hide: between a well-placed blush and a fierce joke, they claim the right to age without disappearing.
Technical expert voices and personal testimonies alternate to create a choral narrative that normalizes aging without giving up self-care.
No mention of invasive procedures like Botox or surgery, which appear in the Atlantic bloc.
Atlantic celebrities openly declare: Botox, juices and workouts are the weapons to stay young and desirable.
Direct testimony from famous figures is used to turn aging into a matter of individual choices and discipline, normalizing aesthetic treatments.
Social pressures or prejudice against older women are not addressed, themes central to the Latin American bloc.
The European consumer notices the misalignment between face and neck, and the surgeon explains why: the beauty market has neglected a revealing area.
It starts from a personal experience to raise a technical issue, using an expert opinion to legitimize the critique of the industry.
No mention of celebrities or specific treatments like Botox or surgery, unlike the Atlantic and Latin American blocs.
Iranian aesthetic medicine proposes a technical and scientific solution to aging, based on years of anatomical research.
A specialist journal register is adopted to present aging as an engineering problem solvable with a targeted intervention, avoiding any social or cultural discourse.
No mention of the social, psychological or gender dimensions of aging, central in the other blocs.
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