
J7-Bericht: Antisemitismus als „neuer Normalzustand“ – 2025 das tödlichste Jahr seit 1994
Die Taskforce meldet über 23.000 antisemitische Vorfälle und 20 Todesopfer; Deutschland weist die höchste Pro-Kopf-Rate auf und ringt mit linkem wie rechtem Antisemitismus.
Der globale Antisemitismus hat sich nach Einschätzung der Arbeitsgruppe J7, getragen von jüdischen Dachorganisationen aus sieben Ländern, als dauerhafte Krise etabliert. In ihrem am Mittwoch veröffentlichten Bericht dokumentiert die Taskforce für das Jahr 2025 mehr als 23.000 Vorfälle in Argentinien, Australien, Deutschland, Frankreich, Kanada, dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten – den Staaten mit rund 90 Prozent der jüdischen Diaspora außerhalb Israels. 20 Menschen kamen bei antisemitischen Angriffen ums Leben, so viele wie seit dem Anschlag auf das AMIA-Zentrum in Buenos Aires 1994 nicht mehr. Die J7 spricht von einer „neuen Normalität“.
Die folgenschwersten Attacken ereigneten sich laut Bericht in Australien, Großbritannien und den USA. Bei einem Überfall am Bondi Beach in Sydney starben 15 Menschen; in Manchester forderte ein Anschlag auf die Heaton-Park-Synagoge zwei Todesopfer; in Washington kamen zwei Teilnehmer einer Veranstaltung im Jüdischen Museum ums Leben, ein weiterer Angriff in Boulder, Colorado, endete tödlich. Insgesamt stieg die Zahl der Vorfälle im Vergleich zum Bezugsjahr 2022 um 136 Prozent, die der gewaltsamen Vorfälle um 97 Prozent. Während die registrierten Taten in den Vereinigten Staaten, Australien, Kanada und Frankreich gegenüber dem Rekordjahr 2024 zurückgingen, verzeichnete das Vereinigte Königreich einen Anstieg um fünf Prozent, gefolgt von Argentinien und Deutschland.
Deutschland steht dem Bericht zufolge an der Spitze, setzt man die Vorfälle ins Verhältnis zur Größe der jüdischen Bevölkerung. Mit nahezu 70 Taten je 1000 jüdischer Einwohner liegt die Rate fünfmal höher als in Australien und sechsmal so hoch wie im Vereinigten Königreich. Seit Beginn der Erfassung 2021 stieg die Zahl der Vorfälle in Deutschland um 215 Prozent – ein Zuwachs, der nur von Australien (270 Prozent) übertroffen wird. Die J7 stellt fest, dass Extremisten „von beiden Rändern des politischen Spektrums in gleichem Maße antisemitische Taten“ verübten. Während die AfD sich aktiv dafür einsetze, die etablierte Erinnerungskultur zu überwinden, habe sich linker Antizionismus „zu unverhohlenem Antisemitismus“ gewandelt; das linke Umfeld sei besonders für jüdische Studierende „unglaublich feindselig“ geworden.
Angesichts dieser Entwicklung fordert die Taskforce einen grundlegenden Strategiewechsel der Regierungen. Statt lediglich auf Angriffe zu reagieren, müssten mit strengeren Gesetzen, höheren Sicherheitsausgaben und präventiven Maßnahmen in sozialen Medien jüdisches Leben geschützt werden. Die britische Regierung etwa hat nach eigenen Angaben kürzlich umgerechnet knapp 300 Millionen Euro für den polizeilichen Schutz jüdischer Gemeinden bereitgestellt. Der Bericht mahnt, dass die hohe Zahl der Übergriffe kein vorübergehendes Phänomen sei, sondern sich als Normalzustand zu verfestigen drohe.
| Israelische Presse | −0.50 | critical |
|---|---|---|
| Kontinentaleuropäische Presse | −0.20 | neutral |
| Lateinamerikanische Presse | −0.30 | critical |
2025 has been the deadliest year for antisemitic violence against the Jewish diaspora since the 1994 AMIA bombing, with 20 lives lost. The J7 report documents over 23,000 incidents across seven countries, signaling that antisemitism has become a 'new normal' in Western democracies. The attacks, including the Hanukkah massacre in Sydney and the Yom Kippur shooting in Manchester, demand urgent action.
2025 was the deadliest year for antisemitic attacks in over 30 years, with 20 fatalities. The J7 report, covering over 90% of the Jewish diaspora, documents more than 23,000 incidents in seven countries. The situation is serious and demands attention.
Antisemitism has reached deadly levels in 2025 according to the J7 report, but the article highlights the paradox that this increase occurs after the Hamas massacre of October 7, 2023. It analyzes the phenomenon from a historical perspective, linking current violence to the Holocaust and the Middle East conflict. The narrative not only informs but also reflects on the contradictions of the fight against antisemitism.
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