
Blockade am Hormus treibt Düngerpreise – 45 Millionen Menschen droht Hungerkrise
Die Sperrung der Meerenge führt zu einem rapiden Anstieg der Düngemittelpreise. UN-Experten warnen vor einer humanitären Katastrophe binnen Wochen.
Die Vereinten Nationen schlagen Alarm: Sollte der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus nicht in den nächsten Wochen wieder aufgenommen werden, drohe eine Hungerkrise, die 45 Millionen zusätzliche Menschen in den Hunger treiben könnte. Jorge Moreira da Silva, Exekutivdirektor des UNOPS, spricht von einer „begrenzten Zeitfenster“, um eine „schwere humanitäre Katastrophe“ abzuwenden. Grund ist die seit Monaten andauernde Blockade, die den Transport von Düngemitteln wie Harnstoff, Ammoniak und Phosphaten nahezu zum Erliegen gebracht hat. Fast tausend Schiffe liegen im Persischen Golf fest, die Fracht im Wert von 23,7 Milliarden US-Dollar – darunter ein Viertel des weltweit auf dem Seeweg transportierten Düngers.
Aus Washingtoner Perspektive gilt der Angriff der USA und Israels auf iranische Einrichtungen als Auslöser der Eskalation. Teheran hat daraufhin die Durchfahrt durch die strategisch wichtige Meerenge blockiert, durch die normalerweise 37 Prozent des globalen Erdöls und 28 Prozent des Flüssiggases verschifft werden. Die Folge: Ein Rückgang der täglichen Transitbewegungen um 89 Prozent innerhalb weniger Monate. Während sich die Aufmerksamkeit bislang auf die explodierenden Treibstoffpreise richtete, zeichnet sich nun eine wesentlich tiefgreifendere Bedrohung der globalen Nahrungsmittelversorgung ab.
Für Europa, insbesondere für Deutschland, Österreich und die Schweiz, wird die Lage zunehmend brisant. Die Düngemittelknappheit trifft die Landwirtschaft in einer ohnehin angespannten Phase: Gestiegene Energiekosten und unsichere Lieferketten hatten die Produktionskosten bereits in die Höhe getrieben. Die nun prognostizierten Preisaufschläge bei Brotgetreide, Obst und Gemüse dürften in der zweiten Jahreshälfte auch in den hiesigen Supermärkten sichtbar werden. Die italienische Hafenstudie von Assoporti und SRM beziffert die Mehrkosten von Umleitungen etwa um das Kap der Guten Hoffnung auf bis zu 30 Prozent – eine Belastung, die letztlich die Verbraucher tragen.
Beobachter in Peking verfolgen die Entwicklung mit Sorge, da China als größter Importeur von Düngemitteln stark von der Öffnung der Route abhängt. Gleichzeitig zeigt sich aus Teheraner Sicht die Blockade als Druckmittel, das die internationale Gemeinschaft zu Zugeständnissen bewegen soll. Eine diplomatische Lösung erscheint jedoch in weiter Ferne. Solange die Militäraktionen in der Region andauern, wird der Düngermarkt destabilisiert bleiben – mit unabsehbaren Folgen für die Ernten des kommenden Jahres. Die kommenden Wochen werden entscheiden, ob die Warnungen der UN lediglich ein Menetekel bleiben oder der Auftakt zu einer neuen globalen Hungerkrise sind.
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