
BP trennt sich von Verwaltungsratschef Manifold – gravierende Governance-Vorwürfe
Nach nur acht Monaten im Amt wird Albert Manifold mit sofortiger Wirkung abberufen. Der Ölkonzern beklagt schwerwiegende Mängel, während Manifold eine „falsche Erzählung“ zurückweist.
Der britische Ölkonzern BP hat seinen Verwaltungsratsvorsitzenden Albert Manifold fristlos entlassen, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Der Vorstand habe „einstimmig“ schwerwiegende Bedenken hinsichtlich zentraler Governance-Standards, der Aufsichtsführung und des persönlichen Verhaltens des erst im Oktober angetretenen Vorsitzenden festgestellt. Manifold, der nach nur acht Monaten aus dem Amt schied, zeigte sich von der Entscheidung überrascht und sprach von einer „falschen Erzählung“. Die Aktie des Energieriesen gab im Handelsverlauf um bis zu sechs Prozent nach.
Der abrupte Wechsel an der Konzernspitze verlängert eine Phase auffälliger Führungsinstabilität. BP beschäftigte in den vergangenen drei Jahren drei verschiedene Vorstandsvorsitzende; Manifolds Vorgänger war 2025 auf Druck des aktivistischen Investors Elliott Investment Management zurückgetreten. Die unabhängige Direktorin Amanda Blanc erklärte, das Gremium sei „überrascht und enttäuscht“ gewesen, als es von den unannehmbaren Verstößen erfahren habe. Übergangsweise übernimmt nun Ian Tyler den Vorsitz, während die Suche nach einem permanenten Nachfolger bereits läuft.
Aus australischer Perspektive erhält die Affäre zusätzliche Brisanz: Der gebürtige Ire Manifold, der lange in der Bergbauindustrie tätig war, wies die Vorwürfe zurück und betonte, er habe ohne Vorwarnung und ohne Begründung gehen müssen. In seiner Amtszeit habe er echten Wandel vorangetrieben, Kosten gesenkt und die Organisation zu höheren Standards verpflichtet. Britische Medienberichte, darunter die BBC, brachten unterdessen Mobbing-Vorwürfe ins Spiel, die das Unternehmen nicht kommentierte. In Londoner Beobachterkreisen wird die einmütige Entscheidung des Gremiums als Signal verstanden, dass die Board-Mehrheit keine Kompromisse bei der Unternehmenskultur duldet.
Für den angeschlagenen Konzern, der sich nach jahrelanger Underperformance auf sein Kerngeschäft mit Öl und Gas zurückbesinnen will, wirft der Führungsstreit neue Fragen auf. Bereits bei seiner Wahl im vergangenen Jahr hatten fast ein Fünftel der Aktionärsstimmen gegen Manifold votiert, auch der Stimmrechtsberater Glass Lewis hatte Governance-Bedenken angemeldet. Die neuerliche Erschütterung festigt indirekt die Stellung von Meg O’Neill, der ersten weiblichen CEO des Konzerns, die nun in einer ohnehin angespannten Phase die strategische Neuausrichtung vorantreiben muss.
Für deutsche und europäische Energiepartner bleibt BP ein wichtiger Akteur, etwa im Raffineriegeschäft und im Wasserstoffbereich. Die anhaltende Instabilität könnte das Vertrauen in langfristige Kooperationen belasten, während der Konzern zugleich unter wachsendem Druck der Dekarbonisierung steht. Aus Washingtoner Sicht mag der Vorgang als weiteres Indiz für die Zerbrechlichkeit traditioneller europäischer Energiekonzerne gelten. Entscheidend wird sein, ob der Interimsvorsitzende Tyler rasch Ruhe in den Aufsichtsrat bringt – und ob BP die wiederholten Führungswechsel endlich überzeugend beenden kann.
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