
Canberra lehnt Steuer auf Gasexporte ab: Ein Sieg der Industrie?
Die australische Regierung unter Premierminister Anthony Albanese hat sich endgültig gegen die Einführung einer neuen 25-prozentigen Steuer auf Gasexporte entschieden. Damit kapituliert die Labour-Regierung vor dem Druck der Industrie, wie Kritiker meinen, oder sie sichert die Energieversorgung der Verbündeten, wie die Regierung selbst argumentiert. Der Schritt erfolgt im Vorfeld des Haushalts und nach wochenlangen öffentlichen Kampagnen unabhängiger Senatoren wie David Pocock, der der Regierung vorwarf, vor den Gasriesen einzuknicken. Aus Sicht der Branche, allen voran des Konzerns Woodside, hätte eine zusätzliche Abgabe viele Projekte unwirtschaftlich gemacht – eine Warnung, die in Canberra Gehör fand.
Die Entscheidung ist das Ergebnis eines diplomatischen Spagats. Albanese hatte im Zuge der globalen Ölkrise seinen asiatischen Partnern, darunter Japan und Südkorea, verlässliche Lieferungen von Flüssigerdgas zugesagt. Aus Washingtoner Perspektive stärkt dies die Energiesicherheit im Indopazifik, während Beobachter in Peking die Entwicklung als Teil des geopolitischen Ringens um fossile Ressourcen werten. Innenpolitisch steht die Regierung jedoch unter Druck: Der frühere Finanzsekretär Ken Henry forderte vor einem Senatsausschuss, die Nation müsse endlich „den Schund beenden“ und ihre endlichen Ressourcen angemessen besteuern. Zudem kritisieren die Grünen, dass die Erdgassteuer – die sogenannte Petroleum Resource Rent Tax – kaum greife und Australien sein natürliches Erbe verschleudere.
Für Deutschland, Österreich und die Schweiz ist der Vorgang von mittelbarer Bedeutung. Europa ist auf Flüssiggasimporte angewiesen, und Australien ist einer der größten Exporteure weltweit. Die Entscheidung signalisiert, dass Canberra auch künftig auf stabile Liefermengen setzt, statt mit Steuererhöhungen die Investitionsbereitschaft der Industrie zu gefährden. Analysten warnen jedoch, dass damit ein potenzieller Milliardenbetrag für die Energiewende ungenutzt bleibt – Geld, das Australien etwa für den Ausbau erneuerbarer Energien fehlen wird. Albanese selbst, der laut eigenen Aussagen eine zweite Amtszeit anpeilt und erst zurücktreten will, wenn er „persönlich nicht mehr wächst“, setzt langfristig auf Kontinuität. Ob die Debatte um eine gerechtere Besteuerung der Gasindustrie damit beigelegt ist, darf bezweifelt werden. Schon jetzt mehren sich Stimmen, die nach alternativen Modellen suchen – insbesondere falls die globalen Energiepreise erneut anziehen.
Erweitere deinen Horizont
Massenansturm auf Ceuta: Zehntausende Migranten überwinden Grenze – Italien setzt Schengen aus
2 Sprachen · 112 Quellen
Aus Economy & MarketsMexikos Wirtschaft wächst im zweiten Quartal so stark wie seit über fünf Jahren nicht mehr
1 Sprache · 18 Quellen
Aus TechnologyChery Q erhält auf der GIIAS 2026 über 6.000 Vorbestellungen
1 Sprache · 15 Quellen