
Putin würdigt Schirinowski: Kreml verklärt den politischen Provokateur als nationales Erbe
Vergangene Woche hat Wladimir Putin im Moskauer „Manege“ eine Ausstellung zum 80. Geburtstag von Wladimir Schirinowski eröffnet, die das Vermächtnis des 2022 verstorbenen Gründers der Liberal-Demokratischen Partei Russlands (LDPR) in den Mittelpunkt rückt. Die Schau, die wie eine Reise mit einem symbolischen Zug gestaltet ist, zeigt persönliche Gegenstände, Archivdokumente und das erste Agitationsfahrzeug der Partei. Aus Moskauer Sicht ist dieser hohe Besuch mehr als eine Geste der Pietät: Er soll Schirinowski, der drei Jahrzehnte lang die Duma und die öffentliche Bühne mit seinem eruptiven Stil prägte, als staatstragende Figur legitimieren. Die Anwesenheit von Parteichef Leonid Sluzki und Parlamentspräsident Wjatscheslaw Wolodin unterstreicht den Versuch, die LDPR trotz des Verlusts ihres charismatischen Anführers im politischen Gefüge zu verankern.
Dmitri Peskow, der Pressesprecher des Kreml, verband die Ehrung des Verstorbenen mit einer grundsätzlichen Betrachtung der europäischen Politik. Er erklärte, das derzeitige europäische Politikerpersonal sei „gesichtslos“, doch es gebe auch dort „eigene Schirinowskis“. Diese Bemerkung, die beiläufig wirkt, zielt aus Brüsseler Perspektive auf einen strategischen Narzissmus ab: Der Kreml stilisiert sich als Hort politischer Originalität, während er die europäischen Demokratien als blasse Kopien abwertet. Tatsächlich blickt man in Berlin, Wien und Bern mit gemischten Gefühlen auf diese Inszenierung. Einerseits dient die Verklärung Schirinowskis – den Peskow zugleich als hochgebildeten Propheten würdigte – der innerrussischen Konsolidierung nationalistischer Kräfte. Andererseits nährt sie die Sorge, dass sich die von Moskau propagierte Mischung aus Populismus und Großmacht-Rhetorik weiter als Vorbild für rechte Bewegungen in Europa etabliert.
Die Ausstellung selbst ist als politisches Narrativ angelegt, das Schirinowskis oft als skurril abgetane Aussagen im Nachhinein als prophetisch erscheinen lässt. Der Kreml spricht von „Weitsicht“ in Bezug auf den Nahen Osten – ein Hinweis auf die Instrumentalisierung toter Politiker zur Legitimation aktueller Außenpolitik. Für Beobachter in deutschen Sicherheitskreisen stellt sich die Frage, ob diese Vereinnahmung Teil einer langfristigen Strategie ist, die LDPR als Vehikel für eine gemäßigt erscheinende, aber systemtragende Opposition zu erhalten. Mit Blick nach vorne zeigt die intensive Pflege des Schirinowski-Kults, dass der Kreml die emotionale Aufladung der Politik nicht nur toleriert, sondern gezielt kultiviert – ein Signal, das in Europa ernst genommen werden sollte, da es die Konturen eines politischen Stils verrät, der weit über Russlands Grenzen hinauswirkt.
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