
Diplomatische Offensive am Golf: Die VAE festigen Allianzen zwischen Damaskus und Den Haag
Im Zentrum der jüngsten diplomatischen Aktivitäten der Vereinigten Arabischen Emirate steht ein Treffen, das weit über den bilateralen Rahmen hinausweist: Präsident Ahmed al-Sharaa aus Syrien stattete Abu Dhabi einen Arbeitsbesuch ab, bei dem beide Seiten die wirtschaftliche Zusammenarbeit und die Entwicklung der bilateralen Beziehungen erörterten. Aus Sicht der VAE-Führung ist die Wiederannäherung an Damaskus Teil einer strategischen Neuausrichtung, die den Konflikt im Nahen Osten nicht militärisch, sondern politisch zu entschärfen sucht. Die Gespräche zwischen Scheich Mohamed bin Zayed und dem syrischen Präsidenten drehten sich jedoch nicht nur um fraternalistische Bande, sondern auch um die regionalen Verwerfungen, die den gesamten Nahen Osten erfassen – und deren Folgen bis nach Europa und Asien reichen.
Fast zeitgleich empfing der stellvertretende Premierminister und Außenminister Abdullah bin Zayed den niederländischen Minister Tom Berendsen. Im Mittelpunkt standen die jüngsten iranischen Raketenangriffe, die das Territorium der VAE sowie mehrere befreundete und brüderliche Länder getroffen hatten. Aus Den Haager Perspektive ist die Solidarität mit Abu Dhabi nicht nur eine Geste der Bündnistreue: Die niederländische Regierung fürchtet die destabilisierende Wirkung solcher Attacken auf die internationale Seefahrt und die Energieversorgung – beides Lebensadern der europäischen Wirtschaft. Diese Sorge teilte auch Italiens Verteidigungsminister Guido Crosetto, der im Gespräch mit dem Emirati-Präsidenten die gemeinsame Verurteilung des iranischen Terrors bekräftigte und die Sicherheitskooperation vertiefen wollte.
Hinter diesen Begegnungen zeichnet sich ein Koordinatensystem ab, das weit über den Golf hinausreicht. Aus Washingtoner Sicht suchen die VAE einen Mittelweg: Sie wollen einerseits die Schutzmachtrolle der USA nicht infrage stellen, andererseits aber auch nicht in eine direkte Konfrontation mit Teheran getrieben werden. Beobachter in Peking wiederum sehen in der emiratischen Diplomatie einen Versuch, die Handelswege entlang der Neuen Seidenstraße abzusichern – denn jede Eskalation im Persischen Golf trifft die globale Lieferkette unmittelbar. Für Berlin, Wien und Bern bedeutet dies: Die Sicherheit ihrer Importe hängt zunehmend von regionalen Akteuren ab, die wie die VAE zwischen Iran und dem Westen balancieren.
Die kommenden Monate werden zeigen, ob diese multidimensionale Diplomatie Früchte trägt. Abu Dhabi setzt darauf, durch parallele Gespräche mit Syrien, den Niederlanden und Italien ein Netz zu knüpfen, das sowohl militärische als auch wirtschaftliche Risiken mindert. Aus emiratischer Perspektive ist dies nicht weniger als der Versuch, die Region aus der Logik des Nullsummenspiels zu befreien – eine Aufgabe, deren Gelingen auch für die Stabilität des gesamten Mittelmeerraums von Bedeutung sein wird.
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