
FBI ermittelt gegen Journalistin: Kash Patels Bourbon-Skandal und die Verstrickung der Bundespolizei
Das FBI leitet eine kriminelle Ermittlung gegen eine „Atlantic“-Reporterin ein, die über Direktor Patels Alkoholkonsum berichtete. Zugleich tauchen neue Enthüllungen auf.
Das Federal Bureau of Investigation (FBI) hat offenbar eine strafrechtliche Untersuchung gegen Sarah Fitzpatrick, eine Reporterin des Magazins „The Atlantic“, eingeleitet. Aus Washingtoner Sicht handelt es sich um einen beispiellosen Vorgang: Noch nie zuvor hatte die Bundespolizei eine solche Leak-Ermittlung gegen einen Journalisten eröffnet, der über das Fehlverhalten des eigenen Direktors berichtete. Hintergrund ist Fitzpatricks Enthüllung vom April, in der mehr als zwei Dutzend Quellen schilderten, wie FBI-Chef Kash Patel durch exzessiven Alkoholkonsum, unerklärte Abwesenheiten und paranoiden Führungsstil die Sicherheit der Behörde gefährde.
Ein FBI-Sprecher dementierte die Existenz der Ermittlung umgehend, doch die Nachrichtenagentur MSNBC bestätigte sie unter Berufung auf zwei direkt informierte Personen. Patel selbst verklagte „The Atlantic“ auf 250 Millionen Dollar Schadenersatz und verglich die Berichterstattung mit organisierter Kriminalität. Der Fall wirft grundsätzliche Fragen nach der Unabhängigkeit des FBI auf: Aus europäischer Perspektive, insbesondere für deutsche und österreichische Beobachter, zeigt sich hier, wie unter einer Trump-nahen Führung rechtsstaatliche Prinzipien in den USA zunehmend unter Druck geraten.
Die Affäre gewinnt zusätzlich an Sprengkraft durch neue Enthüllungen. Fitzpatrick berichtete jüngst, Patel habe personalisierte Flaschen Woodford Reserve Bourbon mit seinem Namen, Titel und FBI-Emblem an Mitarbeiter und Zivilisten verschenkt. Ein ehemaliger FBI-Beamter nannte dies „beängstigend für das Land“ und erinnerte an J.
Edgar Hoovers fragwürdige Kultivierung eines Personenkults. Die Flaschen tauchten sogar auf einer Online-Auktion in Las Vegas auf. Parallel dazu belastet ein zweiter Fall das Verhältnis zwischen Patel und der Öffentlichkeit.
Savannah Guthrie, Moderatorin der „Today“-Show, verließ diese Woche überraschend die Live-Sendung – nur Stunden nachdem Patel in einem Podcast mit Sean Hannity behauptet hatte, das FBI sei in den entscheidenden ersten vier Tagen nach dem Verschwinden ihrer Mutter Nancy Guthrie bewusst ausgeschaltet worden. Das örtliche Sheriff-Büro in Pima County (Arizona) widersprach energisch: Ein FBI-Mitarbeiter sei vom ersten Tag an vor Ort gewesen. Für Analysten in der Schweiz und in Deutschland verdeutlicht dieser Streit, wie politisiert die Bundespolizei unter Patel erscheint.
Die Frage, ob das FBI noch als neutrale Strafverfolgungsbehörde agieren kann, rückt ins Zentrum der transatlantischen Debatte über Rechtsstaatlichkeit.
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