
Formel 1 in Miami: Der Saison-Neustart nach erzwungener Pause verspricht eine neue Ordnung
Nach fünf Wochen ohne Rennen kehrt die Formel 1 an diesem Wochenende mit dem Grand Prix von Miami zurück – und die Ausgangslage gleicht eher einem zweiten Saisonauftakt als einer normalen vierten Runde. Die Absagen der Läufe in Bahrain und Saudi-Arabien infolge des Krieges im Iran haben den Kalender nicht nur zusammengestrichen, sondern den Teams eine ungewöhnlich lange Entwicklungsphase beschert. Aus Moskauer Sicht, wo Finanzexperten die industriellen Folgen des Konflikts analysieren, wird der Miami GP daher als „Reset“ des gesamten Championats gewertet: Die Werkstätten arbeiteten im April wie in der Winterpause, neue Teile und Software-Updates wurden in Serie produziert. Ferrari-Teamchef Frédéric Vasseur sprach offen von einem „neuen Championat“, das in Florida beginne.
Die technischen Eingriffe der FIA sind dabei ebenso tiefgreifend wie umstritten. Aus Pariser Perspektive, die in der französischsprachigen Presse besonders kritisch reflektiert wird, handelt es sich um „chirurgische“ Modifikationen an der Batterieregelung, die das gefürchtete Zwangsverlangsamen zum Aufladen der Elektroantriebe eindämmen sollen. Vierfachweltmeister Max Verstappen hatte zuvor sogar mit einem Abschied aus der Serie gedroht. Zugleich nutzten die Rennställe die Pause für optische Verjüngungskuren: Wie aus Berlin zu erfahren ist, präsentierte etwa das Racing-Bulls-Team (VCARB) eine neongelbe Lackierung, die an ein Energydrink-Produkt erinnert – ein Zeichen, dass die Vermarktung in den USA oberste Priorität hat.
In Argentinien, das durch die Piloten Franco Colapinto (Alpine) in der Formel 1 und Nicolás Varrone in der Formel 2 vertreten ist, blickt man mit großer Spannung auf die fünfte Austragung des Miami GP. Colapinto, der vor einer Woche ein historisches Roadshow in Buenos Aires mit über 500.000 Zuschauern absolvierte, steht vor der Herausforderung eines semi-urbanen Rundkurses mit 19 Kurven und 5,41 Kilometern Länge, der hohe Geschwindigkeiten mit engen Passagen kombiniert. Aus australischer Sicht, wo McLaren-Pilot Oscar Piastri nach einem schwierigen Saisonstart in Japan wieder Tritt gefasst hat, wird der Samstag zudem eine Sprintentscheidung bringen, die insgesamt 33 Punkte ermöglicht.
Der Grand Prix von Miami ist nicht nur ein Rennen, sondern ein Stimmungstest für die ganze Serie. Die Unterbrechung hat die Rangliste auf den Kopf gestellt: Kimi Antonelli führt die Gesamtwertung an, doch die Upgrades vieler Teams könnten die Kräfteverhältnisse erneut verschieben. Beobachter in Wien und Zürich sehen das Wochenende als Weichenstellung für den weiteren Saisonverlauf – insbesondere mit Blick auf die mögliche Rückkehr der geopolitischen Unsicherheit im Nahen Osten. Sollten die neuen Regeln halten, was sie versprechen, könnte Miami der Auftakt zu einem taktisch offeneren, weniger von Batterieproblemen verzerrten Rennsport werden.
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