Anmelden
Ausgabe von 16:00 CETFreitag, 7. August 2026
320 Quellen · 17 Sprachen805 Briefings heute
Donnerstag, 30. April 2026

Trump mahnt Netanjahu zu Zurückhaltung: Washingtons Balanceakt zwischen Israel und Libanon

Präsident Donald Trump hat Premierminister Benjamin Netanjahu in einem Telefonat eindringlich aufgefordert, die israelischen Militäroperationen im Libanon auf präzise Schläge zu beschränken und eine vollständige Wiederaufnahme der Kampfhandlungen zu vermeiden. „Ich habe Netanjahu gesagt, er solle chirurgischer vorgehen. Keine Gebäude zerstören. Das ist zu schrecklich und schadet dem Image Israels“, zitierte der Sender Axios den Präsidenten. Aus Washingtoner Sicht ist dies mehr als nur eine freundschaftliche Ermahnung: Die Administration fürchtet den völligen Kollaps des brüchigen Waffenstillstands vom November 2024, der bereits Mitte Mai auslaufen könnte. Trump, der sich öffentlich zum Libanon und seiner Führung bekennt, machte zugleich Teheran für die Misere verantwortlich: „Der Iran und sein Stellvertreter Hisbollah haben den Libanon zerstört. Wenn der Iran erledigt ist, erledigt sich die Hisbollah von selbst.“

In Jerusalem wird die Lage indes zunehmend als Zeitfenster betrachtet. Medienberichten zufolge hat Netanjahu bei der Unterredung mit Trump eine diplomatische Gnadenfrist von zwei bis drei Wochen erbeten – bis Mitte Mai – bevor Israel zur „ursprünglichen Planung“ zurückkehren dürfe. Diese sieht offenbar eine massive Ausweitung der Bodenoffensive vor. Der israelische Generalstabschef Ejal Zamir erklärte von Südlibanon aus unmissverständlich: „Es gibt keine Waffenruhe und wird auch keine geben. Der Kampf geht weiter.“ Gleichzeitig setzt die Hisbollah ihre Angriffe fort; erstmals drang eine mit Glasfaserkabel gesteuerte Drohne bis nach Schomera im Westgalil vor. Die israelische Luftwaffe reagiert mit Luftangriffen auf Dörfer im Süden, bei denen Zivilisten und Sanitäter ums Leben kommen.

Vor diesem Hintergrund zeigt sich Beirut tief gespalten. Staatspräsident Joseph Aoun betont, der Libanon werde nur unter der Bedingung direkter Verhandlungen mit Israel treten, dass zuvor ein vollständiger Waffenstillstand umgesetzt werde. Er sagt, alle Schritte seien mit Parlamentspräsident Nabih Berri und Regierungschef Nawaf Salam abgestimmt – doch genau hier liegt der Zündstoff. Berri, enger Verbündeter der Hisbollah, bestreitet jede Einigung und lehnt Gespräche ab, solange Israel nicht seine Truppen zurückzieht. Die Kluft zwischen dem Präsidentenpalast in Baabda und dem Parlament in Ain al-Tine droht die libanesische Verhandlungsfront zu lähmen, während die USA einen dreiseitigen Gipfel unter Trumps Vermittlung vorbereiten.

Bleiben zwei Wochen bis zur Deadline. Washington versucht, Netanjahu zur Mäßigung zu bewegen und gleichzeitig Beirut zu einer einheitlichen Position zu drängen. Beobachter in Peking verfolgen die Entwicklungen mit Sorge, denn ein neuer Krieg im Nahen Osten würde die ohnehin fragile Weltwirtschaft belasten. Die entscheidende Frage ist, ob die Diplomatie Zeit gewinnen kann – oder ob der libanesische Staat an seiner inneren Zerrissenheit zerbricht, bevor die erste Rakete eine neue Eskalation einläutet.

Aktuell
ICE rüstet Beamte mit Körperkameras aus – Freigabe der Aufnahmen nur im „besten Interesse“ der Behörde·Ungarns Energiekrise: Lockerung der Sparappelle, doch das Kernkraftwerk Paks bleibt angeschlagen·US-Arbeitsmarkt schrumpft im Juli überraschend – Zinserhöhungserwartungen kippen·Unwetterwarnungen in Iran: Starkregen und Staubstürme bedrohen mehrere Provinzen·Iranisches Parlament prüft Gesetz zum Ausschluss amerikanischer und israelischer Schiffe aus der Straße von Hormus·Klage gegen Jabloko: Rodina will Zulassung zur Dumawahl annullieren lassen·Argentinien und Mexiko stellen sich hinter FIFA-Präsident Infantino·Steigende Kreditvorsorgen belasten Bankbilanzen in Schwellenländern·ICE rüstet Beamte mit Körperkameras aus – Freigabe der Aufnahmen nur im „besten Interesse“ der Behörde·Ungarns Energiekrise: Lockerung der Sparappelle, doch das Kernkraftwerk Paks bleibt angeschlagen·US-Arbeitsmarkt schrumpft im Juli überraschend – Zinserhöhungserwartungen kippen·Unwetterwarnungen in Iran: Starkregen und Staubstürme bedrohen mehrere Provinzen·Iranisches Parlament prüft Gesetz zum Ausschluss amerikanischer und israelischer Schiffe aus der Straße von Hormus·Klage gegen Jabloko: Rodina will Zulassung zur Dumawahl annullieren lassen·Argentinien und Mexiko stellen sich hinter FIFA-Präsident Infantino·Steigende Kreditvorsorgen belasten Bankbilanzen in Schwellenländern·
Akt. 16:303 Sprachen · 6 Quellen
6 Quellen|3 Sprachen|3 Min. Lesezeit
Donnerstag, 30. April 2026

Trump mahnt Netanjahu zu Zurückhaltung: Washingtons Balanceakt zwischen Israel und Libanon

Präsident Donald Trump hat Premierminister Benjamin Netanjahu in einem Telefonat eindringlich aufgefordert, die israelischen Militäroperationen im Libanon auf präzise Schläge zu beschränken und eine vollständige Wiederaufnahme der Kampfhandlungen zu vermeiden. „Ich habe Netanjahu gesagt, er solle chirurgischer vorgehen. Keine Gebäude zerstören. Das ist zu schrecklich und schadet dem Image Israels“, zitierte der Sender Axios den Präsidenten. Aus Washingtoner Sicht ist dies mehr als nur eine freundschaftliche Ermahnung: Die Administration fürchtet den völligen Kollaps des brüchigen Waffenstillstands vom November 2024, der bereits Mitte Mai auslaufen könnte. Trump, der sich öffentlich zum Libanon und seiner Führung bekennt, machte zugleich Teheran für die Misere verantwortlich: „Der Iran und sein Stellvertreter Hisbollah haben den Libanon zerstört. Wenn der Iran erledigt ist, erledigt sich die Hisbollah von selbst.“

In Jerusalem wird die Lage indes zunehmend als Zeitfenster betrachtet. Medienberichten zufolge hat Netanjahu bei der Unterredung mit Trump eine diplomatische Gnadenfrist von zwei bis drei Wochen erbeten – bis Mitte Mai – bevor Israel zur „ursprünglichen Planung“ zurückkehren dürfe. Diese sieht offenbar eine massive Ausweitung der Bodenoffensive vor. Der israelische Generalstabschef Ejal Zamir erklärte von Südlibanon aus unmissverständlich: „Es gibt keine Waffenruhe und wird auch keine geben. Der Kampf geht weiter.“ Gleichzeitig setzt die Hisbollah ihre Angriffe fort; erstmals drang eine mit Glasfaserkabel gesteuerte Drohne bis nach Schomera im Westgalil vor. Die israelische Luftwaffe reagiert mit Luftangriffen auf Dörfer im Süden, bei denen Zivilisten und Sanitäter ums Leben kommen.

Vor diesem Hintergrund zeigt sich Beirut tief gespalten. Staatspräsident Joseph Aoun betont, der Libanon werde nur unter der Bedingung direkter Verhandlungen mit Israel treten, dass zuvor ein vollständiger Waffenstillstand umgesetzt werde. Er sagt, alle Schritte seien mit Parlamentspräsident Nabih Berri und Regierungschef Nawaf Salam abgestimmt – doch genau hier liegt der Zündstoff. Berri, enger Verbündeter der Hisbollah, bestreitet jede Einigung und lehnt Gespräche ab, solange Israel nicht seine Truppen zurückzieht. Die Kluft zwischen dem Präsidentenpalast in Baabda und dem Parlament in Ain al-Tine droht die libanesische Verhandlungsfront zu lähmen, während die USA einen dreiseitigen Gipfel unter Trumps Vermittlung vorbereiten.

Bleiben zwei Wochen bis zur Deadline. Washington versucht, Netanjahu zur Mäßigung zu bewegen und gleichzeitig Beirut zu einer einheitlichen Position zu drängen. Beobachter in Peking verfolgen die Entwicklungen mit Sorge, denn ein neuer Krieg im Nahen Osten würde die ohnehin fragile Weltwirtschaft belasten. Die entscheidende Frage ist, ob die Diplomatie Zeit gewinnen kann – oder ob der libanesische Staat an seiner inneren Zerrissenheit zerbricht, bevor die erste Rakete eine neue Eskalation einläutet.

Divergenz der Quellen

— · 6 Quellen · 3 Sprachen

0%Niedrig

Wie stark die Quellen die gleichen Fakten unterschiedlich darstellen.

Diese Nachricht erschien in

6 Quellen · 3 Sprachen

Erweitere deinen Horizont

Aus Geopolitics & Politics

Washington entzieht brasilianischer Botschafterin das Visum

3 Sprachen · 43 Quellen

Aus Economy & Markets

Indonesische Regierung und Institute uneins über Wachstum im zweiten Quartal

2 Sprachen · 11 Quellen

Aus Technology

Weißes Haus schließt offene KI-Modelle von Sicherheitstests aus

3 Sprachen · 11 Quellen

Mehr lesen