
Forschung aus Bari: Katzen erkennen Emotionen in der menschlichen Stimme nicht
Eine Untersuchung der Universität Bari zeigt, dass Hauskatzen auf Lachen, Weinen oder Schreie mit allgemeiner Wachsamkeit reagieren, ohne die Gefühlsqualität zu unterscheiden – dennoch verfügen sie über ein reiches Repertoire an Zuneigungssignalen.
Katzen reagieren auf menschliche Lautäußerungen, doch sie differenzieren nicht zwischen Freude, Trauer oder Wut. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universität Bari, für die das Verhalten von 20 Hauskatzen in ihrer gewohnten Umgebung analysiert wurde. Die Tiere hörten Aufnahmen von Lachen, Weinen, Schreien und Angstschreien. Unabhängig vom emotionalen Gehalt zeigten sie durchweg eine moderate Alarmbereitschaft: Die Ohren wurden seitwärts gedreht, die Pupillen weiteten sich, der Schwanz zuckte. Eine bevorzugte Kopfdrehung, die auf eine hemisphärenspezifische Verarbeitung schließen ließe, blieb aus. „Statt sofort zwischen Glück, Angst, Ärger oder Traurigkeit zu unterscheiden, reagierten sie mit einer generalisierten Wachsamkeit“, erklärt die Hauptautorin Serenella d’Ingeo. Dies könne eine adaptive Strategie sein, die das Tier auf eine potenziell relevante soziale Situation vorbereite.
Dennoch ist die verbreitete Annahme, Katzen seien ihren Haltern gegenüber gleichgültig, nach heutigem Wissensstand unzutreffend. Die Tiere haben im Lauf der Domestikation die Fähigkeit entwickelt, enge soziale Bindungen auch zu Menschen aufzubauen. Als zentrales Kommunikationsmittel dient dabei der Geruchssinn: Indem eine Katze ihren Kopf oder ihre Flanke an den Beinen des Menschen reibt, überträgt sie Duftstoffe aus Drüsen an Wangen, Kinn und hinter den Ohren und identifiziert ihn so als Teil der sozialen Gruppe. Auch die Schwanzhaltung gibt Aufschluss – eine aufrecht getragene Rute signalisiert freundliche Absicht, ein um das Bein geschlungener Schwanz gilt als Äquivalent menschlicher Zuneigungsbekundungen. Besonders aussagekräftig ist das langsame Blinzeln, das in der Forschung mit einem positiven emotionalen Zustand assoziiert wird und als „Lächeln der Katze“ gilt.
Der Tierarzt Manuel Manzano rät, sich diesem Verhaltenscode anzupassen. „Um die Liebe einer Katze zu gewinnen, muss man lernen, sie zu ignorieren“, sagt er. Forciertes Streicheln oder anhaltender Blickkontakt seien kontraproduktiv. Stattdessen solle man ausschließlich die pheromonreichen Zonen berühren und Blickkontakt mit einem langsamen Lidschlag – dem „Katzenkuss“ – erwidern. Tägliches Spiel, idealerweise vier Stunden pro Woche in halbstündigen Einheiten mit jagdähnlichen Spielzeugen, festige die Bindung. Bei Veränderungen im Umfeld empfiehlt Manzano die 3-3-3-Regel: drei Tage zum Erkunden, drei Wochen für eine Routine, drei Monate, bis das Tier sich heimisch fühlt. Auch vermeintlich aggressive Verhaltensweisen wie leichte Bisse sind oft keine Attacken, sondern – so die übereinstimmende Einschätzung von Tierärzten – eine Form der Kommunikation, etwa wenn die Toleranzschwelle beim Streicheln erreicht ist.
Die Befunde zeichnen das Bild eines Tieres, das menschliche Emotionen nicht primär über die Stimme entschlüsselt, aber über ein fein abgestuftes System körpersprachlicher und olfaktorischer Signale verfügt. Wer diese Signale lesen und erwidern kann, dem begegnet die Katze mit Vertrauen und sucht freiwillig die Nähe. Weiterführende Studien zur multimodalen Wahrnehmung – etwa der Kombination von Stimme, Mimik und Geruch – könnten das Verständnis der Mensch-Katze-Kommunikation künftig vertiefen.
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