
Geständnis im Wiener Swift-Prozess: Freilassung von Mitverdächtigen gibt Rätsel auf
Der 21-jährige Beran A. hat vor dem Landesgericht Wiener Neustadt ein umfassendes Geständnis abgelegt. Er gab zu, im August 2024 einen islamistischen Anschlag auf das Taylor-Swift-Konzert in Wien geplant zu haben – aus Überzeugung, wie er sagte, um „Dschihad“ zu führen. Ihm drohen bis zu 20 Jahre Haft. Doch während der Hauptangeklagte hinter Gittern sitzt, sind zwei seiner engsten Vertrauten auf freiem Fuß: seine aus Deutschland stammende Ehefrau Nahri G. und der sechzehnjährige Mohammed A. aus Frankfurt an der Oder. Die Staatsanwaltschaft hatte beide als zentrale Helfer des Attentatsplans benannt, doch die Haftgründe reichten nicht aus.
Aus Wiener Sicht ist das Verfahren ein Prüfstein für die österreichische Justiz im Umgang mit terroristischen Netzwerken. Die Polizei hatte bei Durchsuchungen eine teilweise montierte Sprengvorrichtung sichergestellt, nachdem internationale Geheimdienste Hinweise geliefert hatten. Drei Konzerte der „Eras“-Tour waren daraufhin abgesagt worden, rund 195.000 Besucher kamen nicht zum Zuge. Der Fall offenbart die Schwierigkeiten, Gefährder zu überwachen, deren radikale Gesinnung sich frühzeitig in Chatprotokollen und Treffen mit IS-Vertrauten manifestierte.
In Berlin blickt man mit Sorge auf die deutschen Bezüge. Der minderjährige Mohammed A. besuchte ein Gymnasium in Brandenburg und war offenbar tief im salafistischen Milieu verankert. Seine Straffreiheit wirft Fragen nach der Wirksamkeit der Jugendgerichtsbarkeit auf. Die österreichischen Ermittler stützen sich auf geständige Aussagen des Hauptangeklagten, der jedoch andere Vorwürfe zu weiteren Anschlagsplänen im Ausland bestritt. Die Mitangeklagten Arda K. und Hassan E. stehen gleichfalls vor Gericht.
In Washington und anderen Hauptstädten, die ihre Geheimdienstinformationen rechtzeitig teilten, bestätigt der Prozess den Wert internationaler Kooperation – aber auch deren Grenzen. Die terroristische Energie junger Islamisten, oft über soziale Medien radikalisiert, stellt Präventionsbehörden vor neue Aufgaben. Die Freilassung der Mitverdächtigen zeigt, wie schwer es ist, Gefährdung juristisch zweifelsfrei zu belegen. Der Fall wird in den kommenden Wochen als Blaupause dienen, um die Balance zwischen Bürgerrechten und Sicherheitsmaßnahmen neu auszutarieren.
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