
Gewinneinbruch bei BMW: US-Zölle und China-Schwäche belasten – Rekordaufträge in Europa
BMW verzeichnet im ersten Quartal einen Gewinnrückgang um 23 Prozent. US-Zölle und die Flaute in China drücken, während Europa Rekordaufträge vermeldet.
Der Münchner Autokonzern BMW hat zum Auftakt des Jahres einen deutlichen Gewinneinbruch hinnehmen müssen. Die Nettoerträge fielen im ersten Quartal um 23,1 Prozent auf 1,67 Milliarden Euro, der operative Gewinn (EBIT) sank um rund 36 Prozent auf zwei Milliarden Euro. Der Umsatz verringerte sich um 8,1 Prozent auf 31,01 Milliarden Euro, während die weltweiten Auslieferungen um 3,5 Prozent auf 565.780 Fahrzeuge zurückgingen. Besonders stark fiel der Absatz von Elektroautos mit einem Minus von 20,1 Prozent, sodass ihr Anteil an den Gesamtverkäufen schrumpfte. Es sind die letzten Quartalszahlen des scheidenden Vorstandsvorsitzenden Oliver Zipse, der den Konzern sieben Jahre lang durch Krisen und Kriege geführt hatte – die aktuelle Eintrübung aber nicht allein ihm zuzuschreiben ist.
Aus Washingtoner Sicht sind die von Präsident Donald Trump verhängten Zölle auf Importe aus der Europäischen Union der Hauptgrund für den Gewinnrückgang. BMW ist in den USA mit einem eigenen Werk in Spartanburg präsent, dennoch treffen die Abgaben viele Modelle, die aus Europa oder Mexiko auf den amerikanischen Markt kommen. Im Vorjahresquartal spielten diese Belastungen noch keine Rolle, nun drücken sie auf die Margen und werden das Geschäft auch im weiteren Jahresverlauf begleiten. Hinzu kommt die Schwäche des chinesischen Marktes, der für BMW lange Zeit ein zentraler Wachstumstreiber war. Beobachter in Peking verweisen auf die anhaltende Konsumzurückhaltung und den intensiven Wettbewerb durch heimische Elektroauto-Hersteller, die mit aggressiven Preisen die traditionellen Anbieter unter Druck setzen. Daten des chinesischen Automobilverbands CPCA zeigen, dass die Gewinnmargen der Fahrzeughersteller im ersten Quartal auf nur noch 3,2 Prozent gefallen sind, während Zulieferer wie der Batterieriese CATL auf sechs Prozent kamen – ein Indiz für die zunehmende Kluft zwischen Endmontage und Komponentenlieferanten.
Doch aus europäischer Perspektive ergibt sich ein differenzierteres Bild. BMW meldet für das erste Quartal so viele Auftragseingänge in Europa wie nie zuvor. Dieser Rekord scheint die unmittelbaren Belastungen durch die US-Zölle und die chinesische Nachfrageschwäche zumindest teilweise aufzufangen. Zudem hat der Konzern seinen Ausblick für das Gesamtjahr bestätigt, was an den Finanzmärkten als Zeichen der Zuversicht gewertet wird. Die Führungsetage geht davon aus, dass die Maßnahmen zur Kostenkontrolle und die starke Nachfrage in der Heimatregion helfen werden, die Schlagseite auszugleichen. Für den deutschsprachigen Raum bleibt BMW ein Gradmesser der industriellen Gesundheit: Die konjunkturellen Gegenwinde aus den USA und China treffen das exportorientierte Deutschland, Österreich und die Schweiz gleichermaßen, auch wenn die direkten Verflechtungen der Schweizer Zulieferer mit der bayerischen Automobilindustrie besonders eng sind.
Nach vorne blickend bleibt die Lage angespannt. Die Handelskonflikte zwischen Washington und Brüssel sind noch nicht beigelegt, und in China zeichnet sich keine schnelle Erholung des Premiumsegments ab. Analysten erwarten, dass der Margendruck auf die Autobauer anhalten wird, während die batterieproduzierenden Zulieferer weiterhin von der Elektrifizierung profitieren. BMWs Entscheidung, am Jahresziel festzuhalten, ist daher weniger ein Ausdruck der Stärke als vielmehr ein Signal der Bereitschaft, die Unsicherheiten mit größerer operativer Disziplin zu meistern. Der neue Vorstandschef, der im Sommer die Nachfolge von Oliver Zipse antritt, wird diese Strategie unter schwierigeren Vorzeichen fortsetzen müssen.
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