
Goldpreis erholt sich: Geopolitische Spannungen treiben Anleger in den sicheren Hafen
Gold steigt auf über 4.500 Dollar je Feinunze. Ein fragiler Waffenstillstand zwischen den USA und Iran sowie schwankende Ölpreise sorgen für Unsicherheit an den Märkten.
Die Edelmetallmärkte haben sich in dieser Woche deutlich erholt. Der Goldpreis kletterte nach einem zwischenzeitlichen Fünf-Wochen-Tief wieder über die Marke von 4.500 Dollar je Feinunze und notierte am Mittwoch im Spotmarkt bei rund 4.633 Dollar. Ausschlaggebend ist die fragile geopolitische Lage im Nahen Osten: Das Waffenstillstandsabkommen zwischen Washington und Teheran, das US-Präsident Donald Trump zuletzt als Fortschritt pries, steht auf tönernen Füßen. Aus Washingtoner Sicht ist die vorübergehende Aussetzung der Marinemissionen in der Straße von Hormus ein Signal der Entspannung. Beobachter in Teheran hingegen bleiben skeptisch, ob die Gespräche zu einem umfassenden Abkommen führen – die Unsicherheit treibt Anleger in den sicheren Hafen Gold.
Die jüngste Entwicklung am Ölmarkt hat die Preisschraube für Gold zusätzlich beeinflusst. Rohöl gab zu Wochenbeginn nach, was die Inflationsängste kurzfristig dämpfte und dem Gold als nicht verzinslichem Vermögenswert Auftrieb verlieh. Gleichzeitig zeigte sich der Dollar schwach, was die Nachfrage aus dem Ausland stützte. Doch die Entspannung erwies sich als brüchig: Steigende Ölpreise ließen die Renditen von Staatsanleihen wieder anziehen und bremsten die Goldgewinne ein. Marktanalysten wie Kelvin Wong von OANDA betonen, dass Gold weiterhin sensibel auf die Rohölentwicklung reagiert – ein Hinweis darauf, dass die Inflationserwartungen und die Geldpolitik der US-Notenbank die Richtung vorgeben.
Aus deutscher und österreichischer Sicht gewinnen diese globalen Verwerfungen eine besondere Brisanz, da die wirtschaftliche Erholung in der Eurozone ohnehin unter Inflationsdruck steht. Schweizer Anleger, die traditionell stark in Edelmetalle investieren, verfolgen die Entwicklung mit Spannung. Die Analysten vom Edelmetallhändler American Gold Exchange sehen die Kurse in einer technischen Erholungsphase, warnen aber, dass es eines „bedeutenden fundamentalen Funkens“ bedürfe, um einen nachhaltigen Aufwärtstrend einzuleiten. In den kommenden Tagen dürfte der Fokus zunehmend auf den US-Arbeitsmarktdaten und der Zinsentscheidung der Federal Reserve liegen. Sollte der fragile Waffenstillstand im Nahen Osten scheitern, könnte ein neuer Ölpreisschock die Inflation weiter anheizen und Gold als Inflationsschutz erneut in den Vordergrund rücken.
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