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Ausgabe von 20:00 CETMittwoch, 5. August 2026
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Mittwoch, 6. Mai 2026

Machtmissbrauch im Sport: Neue Enthüllungen erschüttern Brasilien, Italien und die USA

Sexuelle Übergriffe, psychische Gewalt und körperliche Misshandlungen: Mehrere Fälle von Trainer- und Lehrpersonal in Brasilien, Italien und den USA sorgen weltweit für Empörung.

Ein Fall von systematischem Missbrauch im Leistungssport hat in Brasilien weitreichende Konsequenzen. Der Jiu-Jitsu-Trainer Melqui Galvão sitzt seit Ende April in Manaus in Untersuchungshaft, nachdem eine 17-jährige Schülerin Anzeige erstattet hatte. Die 27-jährige Athletin Brenda Larissa erhob nun öffentlich schwere Vorwürfe: Über 14 Jahre hinweg, beginnend mit ihrem zwölften Lebensjahr, habe Galvão sie sexuell, physisch und psychisch misshandelt – eine „Tortur“, wie sie in einem zwanzigminütigen Instagram-Video schilderte. Der Trainer habe ihre familiäre Notlage ausgenutzt, um sich Zugang zu verschaffen. Die brasilianische Justiz ermittelt wegen Vergewaltigung von Schutzbefohlenen, sexueller Nötigung und Bedrohung. Galvão bestreitet die Vorwürfe.

Nicht nur in Südamerika, auch in Europa mehren sich die Enthüllungen. In Italien sorgt der Fall der Rhythmischen Sportgymnastik-Trainerin Livia Ghetti für Aufsehen. Das Bundesgericht des italienischen Turnverbands verhängte eine zweijährige Sperre gegen die langjährige Coachin des renommierten Vereins Ginnastica Estense Otello Putinati aus Ferrara. Der Disziplinarkommission zufolge soll Ghetti ihre Athletinnen – darunter Minderjährige – zwischen 2023 und 2025 regelmäßig beleidigt, geschlagen, an den Haaren gezogen und gedemütigt haben. „Stupide“, „teste di cazzo“ seien noch die milderen Ausdrücke gewesen; auch von eingeschlagenen Fingernägeln und Schlägen ins Gesicht ist die Rede. Die Bundesstaatsanwaltschaft hatte sogar die lebenslange Disqualifikation gefordert. Der Fall reiht sich ein in eine Serie von Missbrauchsskandalen im italienischen Spitzensport, nachdem bereits 2023 die ehemalige Nationaltrainerin Emanuela Maccarani unter ähnlichen Vorwürfen zurückgetreten war. Ghetti hatte damals noch eine Petition zu Maccaranis Gunsten gestartet – ein Umstand, der die strukturelle Verflechtung von Macht und Schweigen im System offenbart.

Parallel dazu erschüttert ein weiterer Fall den paralympischen Sport. In Rom wurde der Bogenschütze Matteo Bonacina, Mitglied der italienischen Nationalmannschaft, unter dem Vorwurf des sexuellen Missbrauchs und Stalkings festgenommen. Laut Ermittlungen soll der 41-Jährige zwischen 2019 und 2024 fünf Athletinnen und eine Trainerin belästigt haben. Besonders schwer wiegt der Vorwurf eines versuchten Vergewaltigungsdelikts während der Paralympischen Spiele 2024 in Paris: Bonacina sei in das Hotelzimmer einer Athletin eingedrungen, während diese unter der Dusche stand. Die Staatsanwaltschaft Rom ermittelt gemeinsam mit der Polizia Postale.

Aus Washingtoner Sicht zeigt sich ein weiteres, wenn auch anders gelagertes, Phänomen des Machtmissbrauchs im Bildungsbereich. Eine 36-jährige Lehrerin aus Pennsylvania bekannte sich schuldig, mehrfach Geschlechtsverkehr mit einem minderjährigen Schüler gehabt zu haben – mindestens zwölf Mal, oft im Haus ihrer Eltern. Das Gericht verurteilte Michelle Merkoliano zu einem Jahr und drei Monaten Haft sowie anschließender sechsjähriger Führungsaufsicht. Sie wird zudem im Sexualstraftäterregister geführt. In Australien wiederum wurde der Lehrer Daniel Marriott zu einer intensiven Bewährungsstrafe von einem Jahr und einem Monat verurteilt, nachdem er einer Frau wissentlich Herpes genitalis übertragen hatte. Der Richter sprach von der ersten derartigen Verurteilung des Landes und betonte, der Angeklagte habe „die Sicherheit und das Wohlergehen des Opfers hinter die eigenen sexuellen Bedürfnisse gestellt“.

Der rote Faden, der sich durch diese geografisch wie sportlich disparaten Fälle zieht, ist die systematische Ausnutzung von Abhängigkeitsverhältnissen: Trainer und Lehrer setzen ihre Autorität und das Vertrauen junger Menschen in einem geschützten Raum – Verein, Turnhalle, Klassenzimmer – für eigene Zwecke ein. Aus deutscher Perspektive werfen die italienischen Enthüllungen ein Schlaglicht auf die dringende Notwendigkeit unabhängiger Beschwerdestellen und klarer Verhaltenskodizes, wie sie der Deutsche Olympische Sportbund nach dem Missbrauchsskandal des Jahres 2020 eingeführt hat. Die Schweiz und Österreich mit ihren stark dezentralisierten Sportstrukturen stehen vor ähnlichen Herausforderungen. Die Fälle zeigen: Ohne externe Kontrollinstanzen und eine Kultur des Hinsehens bleiben Athleten und Schüler der Willkür einzelner Autoritätspersonen ausgeliefert. Die juristischen Antworten – von Haftstrafen über Sperren bis zu Bewährungsauflagen – sind ein erster Schritt, aber keine Garantie für eine nachhaltige Prävention.

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Machtmissbrauch im Sport: Neue Enthüllungen erschüttern Brasilien, Italien und die USA

Sexuelle Übergriffe, psychische Gewalt und körperliche Misshandlungen: Mehrere Fälle von Trainer- und Lehrpersonal in Brasilien, Italien und den USA sorgen weltweit für Empörung.

Ein Fall von systematischem Missbrauch im Leistungssport hat in Brasilien weitreichende Konsequenzen. Der Jiu-Jitsu-Trainer Melqui Galvão sitzt seit Ende April in Manaus in Untersuchungshaft, nachdem eine 17-jährige Schülerin Anzeige erstattet hatte. Die 27-jährige Athletin Brenda Larissa erhob nun öffentlich schwere Vorwürfe: Über 14 Jahre hinweg, beginnend mit ihrem zwölften Lebensjahr, habe Galvão sie sexuell, physisch und psychisch misshandelt – eine „Tortur“, wie sie in einem zwanzigminütigen Instagram-Video schilderte. Der Trainer habe ihre familiäre Notlage ausgenutzt, um sich Zugang zu verschaffen. Die brasilianische Justiz ermittelt wegen Vergewaltigung von Schutzbefohlenen, sexueller Nötigung und Bedrohung. Galvão bestreitet die Vorwürfe.

Nicht nur in Südamerika, auch in Europa mehren sich die Enthüllungen. In Italien sorgt der Fall der Rhythmischen Sportgymnastik-Trainerin Livia Ghetti für Aufsehen. Das Bundesgericht des italienischen Turnverbands verhängte eine zweijährige Sperre gegen die langjährige Coachin des renommierten Vereins Ginnastica Estense Otello Putinati aus Ferrara. Der Disziplinarkommission zufolge soll Ghetti ihre Athletinnen – darunter Minderjährige – zwischen 2023 und 2025 regelmäßig beleidigt, geschlagen, an den Haaren gezogen und gedemütigt haben. „Stupide“, „teste di cazzo“ seien noch die milderen Ausdrücke gewesen; auch von eingeschlagenen Fingernägeln und Schlägen ins Gesicht ist die Rede. Die Bundesstaatsanwaltschaft hatte sogar die lebenslange Disqualifikation gefordert. Der Fall reiht sich ein in eine Serie von Missbrauchsskandalen im italienischen Spitzensport, nachdem bereits 2023 die ehemalige Nationaltrainerin Emanuela Maccarani unter ähnlichen Vorwürfen zurückgetreten war. Ghetti hatte damals noch eine Petition zu Maccaranis Gunsten gestartet – ein Umstand, der die strukturelle Verflechtung von Macht und Schweigen im System offenbart.

Parallel dazu erschüttert ein weiterer Fall den paralympischen Sport. In Rom wurde der Bogenschütze Matteo Bonacina, Mitglied der italienischen Nationalmannschaft, unter dem Vorwurf des sexuellen Missbrauchs und Stalkings festgenommen. Laut Ermittlungen soll der 41-Jährige zwischen 2019 und 2024 fünf Athletinnen und eine Trainerin belästigt haben. Besonders schwer wiegt der Vorwurf eines versuchten Vergewaltigungsdelikts während der Paralympischen Spiele 2024 in Paris: Bonacina sei in das Hotelzimmer einer Athletin eingedrungen, während diese unter der Dusche stand. Die Staatsanwaltschaft Rom ermittelt gemeinsam mit der Polizia Postale.

Aus Washingtoner Sicht zeigt sich ein weiteres, wenn auch anders gelagertes, Phänomen des Machtmissbrauchs im Bildungsbereich. Eine 36-jährige Lehrerin aus Pennsylvania bekannte sich schuldig, mehrfach Geschlechtsverkehr mit einem minderjährigen Schüler gehabt zu haben – mindestens zwölf Mal, oft im Haus ihrer Eltern. Das Gericht verurteilte Michelle Merkoliano zu einem Jahr und drei Monaten Haft sowie anschließender sechsjähriger Führungsaufsicht. Sie wird zudem im Sexualstraftäterregister geführt. In Australien wiederum wurde der Lehrer Daniel Marriott zu einer intensiven Bewährungsstrafe von einem Jahr und einem Monat verurteilt, nachdem er einer Frau wissentlich Herpes genitalis übertragen hatte. Der Richter sprach von der ersten derartigen Verurteilung des Landes und betonte, der Angeklagte habe „die Sicherheit und das Wohlergehen des Opfers hinter die eigenen sexuellen Bedürfnisse gestellt“.

Der rote Faden, der sich durch diese geografisch wie sportlich disparaten Fälle zieht, ist die systematische Ausnutzung von Abhängigkeitsverhältnissen: Trainer und Lehrer setzen ihre Autorität und das Vertrauen junger Menschen in einem geschützten Raum – Verein, Turnhalle, Klassenzimmer – für eigene Zwecke ein. Aus deutscher Perspektive werfen die italienischen Enthüllungen ein Schlaglicht auf die dringende Notwendigkeit unabhängiger Beschwerdestellen und klarer Verhaltenskodizes, wie sie der Deutsche Olympische Sportbund nach dem Missbrauchsskandal des Jahres 2020 eingeführt hat. Die Schweiz und Österreich mit ihren stark dezentralisierten Sportstrukturen stehen vor ähnlichen Herausforderungen. Die Fälle zeigen: Ohne externe Kontrollinstanzen und eine Kultur des Hinsehens bleiben Athleten und Schüler der Willkür einzelner Autoritätspersonen ausgeliefert. Die juristischen Antworten – von Haftstrafen über Sperren bis zu Bewährungsauflagen – sind ein erster Schritt, aber keine Garantie für eine nachhaltige Prävention.

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