
Hisbollah-Chef verwirft Waffenruhe: „Kein Waffenstillstand im Libanon“
Naim Qassem bestreitet die Existenz des Waffenstillstands und lehnt die von Israel geforderte Pufferzone ab. Kämpfe und Evakuierungen im Süden dauern an.
Der Generalsekretär der libanesischen Hisbollah, Naim Qassem, hat die Gültigkeit des am 27. November geschlossenen Waffenstillstandsabkommens mit Israel rundweg bestritten. In einer am Montag verbreiteten Stellungnahme erklärte er, es gebe „keinen Waffenstillstand im Libanon, sondern einen fortgesetzten israelisch-amerikanischen Angriff“. Zugleich wies er die von Israel geforderte Einrichtung einer Pufferzone südlich des Litani-Flusses zurück: „Es gibt keine gelbe Linie, keine Pufferzone – und wird auch keine geben.“ Die Hisbollah werde „unweigerlich siegen“. Die Äußerungen unterminieren das ohnehin brüchige Abkommen, das nach mehr als einem Jahr offener Kampfhandlungen im September zustande gekommen war.
Aus israelischer Perspektive wird der Vorstoß als Beleg für die anhaltende Bedrohung durch die schiitische Miliz gewertet. Die Armee meldete am Montag die Tötung von zehn Hisbollah-Kämpfern bei „verschiedenen Vorfällen“ in den vergangenen zwei Tagen. Zugleich gab der Generalstab neue Evakuierungsbefehle für sechs Dörfer im Südlibanon heraus – darunter Nabatieh al-Fawqa, Mifdun und Qalawiya – und drohte mit Luftangriffen. Zuletzt hatten israelische Kampfflugzeuge erneut die Schallmauer über libanesischen Orten durchbrochen. Die Regierung in Jerusalem wirft der Hisbollah vor, den Waffenstillstand systematisch zu verletzen, unter anderem durch Raketen- und Mörserbeschuss auf israelische Stellungen.
Im Libanon selbst zeichnet sich ein prekäres Bild. Die Armee meldete die Verwundung eines Offiziers und eines Soldaten durch israelisches Feuer bei Kfarra im Kreis Bint Dschubail. Zivile Opfer werden aus der Ortschaft Arab Salim gemeldet, wo bei einem israelischen Luftangriff mindestens ein Mensch ums Leben kam. Die Hisbollah ihrerseits erklärte, sie habe einen israelischen Vorstoß bei Deir Siriane abgewehrt und mit „leichten und mittleren Waffen“ ein Feuergefecht geliefert. Beobachter in Beirut sehen darin die Gefahr einer neuerlichen Eskalation, zumal die Regierung in Washington den militärischen Druck auf die Miliz offenbar weiter unterstützt.
Vor diesem Hintergrund gewinnen die Aussagen Qassems zur Verhandlungsstrategie Bedeutung. Direkte Gespräche mit Israel lehnte er abermals ab; sie seien ein „kostenloses Zugeständnis“ und dienten vor allem dem israelischen Premier Netanjahu sowie dem amerikanischen Präsidenten Trump, der vor den Zwischenwahlen ein Bild des Sieges benötige. Stattdessen plädierte Qassem für indirekte Diplomatie, die – so seine Argumentation – beim Seegrenzabkommen von 2022 funktioniert habe. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob diese Position die derzeitige militärische Konfrontation überdauern kann oder ob der fragile Waffenstillstand endgültig zerfällt.
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