
Hormus-Krise treibt Kondompreise in Russland: 13 Prozent Anstieg binnen Jahresfrist
In Russland sind Kondome binnen eines Jahres um über 13 Prozent teurer geworden. Die Preisexplosion ist eine unmittelbare Folge der geopolitischen Spannungen im Nahen Osten, insbesondere der Schließung der Straße von Hormus. Dies berichten russische Wirtschaftsmedien unter Berufung auf Marktdaten. Der durchschnittliche Apothekenpreis einer Packung stieg im ersten Quartal auf 477 Rubel, im nicht spezialisierten Einzelhandel lag er Mitte April bereits bei 530 Rubel – ein Sprung von rund 80 Rubeln binnen weniger Wochen.
Der Grund für den drastischen Anstieg liegt in den gestörten globalen Lieferketten. Der malaysische Hersteller Karex, der unter anderem die Marke Durex produziert, verzeichnet einen Anstieg der Produktions- und Logistikkosten um 25 bis 30 Prozent. Durex hat in Russland einen Marktanteil von knapp 40 Prozent, dicht gefolgt von Contex. Die Konzernführung in Kuala Lumpur kündigte an, die Preissteigerungen in den kommenden Monaten an die Händler weiterzugeben. Aus Moskauer Sicht kommt dieser Schock zu einer ohnehin angespannten wirtschaftlichen Lage hinzu: Die Realeinkommen sinken, die Inflation liegt im zweistelligen Bereich. Die steigenden Kosten für Konsumgüter belasten die Bevölkerung zusätzlich.
Aus asiatischer Perspektive zeigt sich die Verflechtung der Weltwirtschaft. Die Schließung der Straße von Hormus, einer der wichtigsten Seewege für Rohstoffe und Industrieprodukte, verteuert nicht nur Öl, sondern auch zahlreiche Konsumgüter, deren Vorprodukte oder Verpackungsmaterialien den Persischen Golf passieren. Beobachter in Peking weisen darauf hin, dass die chinesische Industrie ebenfalls unter den gestörten Transportwegen leidet, was zu globalen Preisauftriebsrisiken führt. Für Europa, insbesondere Deutschland, Österreich und die Schweiz, sind die Auswirkungen indirekt: Steigende Kosten für Importe aus Südostasien könnten auch hierzulande die Verbraucherpreise für Hygieneartikel erhöhen, wenngleich die Abhängigkeit von Hormus-Transiten geringer ist als bei Energieträgern.
Die Preisentwicklung bei Kondomen ist ein Symptom einer größeren Störung der globalen Handelsströme. Sollte der Konflikt im Nahen Osten anhalten oder sich ausweiten, müssen Verbraucher weltweit mit weiteren Verteuerungen rechnen. In Russland stagnieren die realen Verkaufszahlen – eine paradoxe Entwicklung: Die Menschen zahlen mehr, kaufen aber nicht weniger, sondern schlicht das Gleiche für einen höheren Preis. Experten prognostizieren, dass ohne eine baldige Lösung der geopolitischen Krise auch andere Produkte des täglichen Bedarfs teurer werden. Der Fall der Kondome ist gewissermaßen der Kanarienvogel im globalen Kohlenschacht.
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