
Huawei setzt mit Milliardeninvestition auf autonomes Fahren – Chinesische Autoindustrie im Höhenflug
Der chinesische Technologiekonzern Huawei hat am Donnerstag in Peking angekündigt, im nächsten Jahr umgerechnet 11,7 Milliarden Dollar in die Entwicklung autonomer Fahrfunktionen zu stecken – mehr als alle Wettbewerber zusammen, wie Unternehmensvertreter betonten. Das Geld fließt vor allem in Rechenleistung für das hauseigene Qiankun-ADS-System, mit dem Huawei die Zuverlässigkeit seiner Autopiloten steigern will. Die Ankündigung fällt mitten in die Eröffnung der Beijing Auto Show, der weltweit größten Automesse, auf der heimische Hersteller wie BYD, Xiaomi und Xpeng die neuesten Elektroautos mit integrierter Künstlicher Intelligenz präsentieren.
Aus Washingtoner Sicht ist dieser Schritt ein weiteres Signal für die technologische Eigenständigkeit Chinas, das sich zunehmend von ausländischen Zulieferern unabhängig macht. Währenddessen versuchen etablierte Marken wie Volkswagen, Toyota und BMW, die in den vergangenen Jahren Marktanteile an die chinesische Konkurrenz verloren haben, auf der Messe durch Kooperationen mit lokalen Technologieanbietern Boden gutzumachen. Beobachter in Peking sehen darin eine strategische Verschiebung: Das Reich der Mitte wird vom Produktionsstandort zum Innovationszentrum, das die Spielregeln der globalen Automobilindustrie neu definiert.
Einen eindrucksvollen Gegenentwurf liefert der deutsche Zulieferer Bosch, der auf derselben Messe einen eigenen Autopiloten mit KI-Software vorstellte. Der Chef des Mobilitätsgeschäfts, Markus Heyn, spricht von einem „Meilenstein“, räumt aber ein, dass der Start zunächst in China erfolgen wird – erst in einigen Jahren soll die Technik auch in Deutschland und Europa verfügbar sein. Parallel dazu setzen chinesische Elektroautohersteller verstärkt auf selbst entwickelte Chips, um ihre Fahrzeuge mit günstigeren und effizienteren Lidar-Sensoren auszustatten.
Der CEO des weltgrößten Lidar-Produzenten Hesai, David Li, begründet diesen Schritt damit, dass kein externer Anbieter die spezifischen Anforderungen für solche Systeme erfülle. Neben Software und Sensorik sorgen auch neue Batterien für Aufsehen: Der Konzern CATL präsentierte auf der Messe Akkus mit einer Reichweite von 1500 Kilometern und extrem kurzen Ladezeiten. Die Kampagne des chinesischen Staatsfernsehens, die zeitgleich Beamte öffentlich kritisiert, die zu hohe Subventionen für Elektroautos gewährt haben, deutet darauf hin, dass die Führung in Peking die Branche nun stärker regulieren und auf Effizienz trimmen will.
Für die europäische Industrie, insbesondere für Hersteller aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, wird die Lage zunehmend prekär. Während Bosch mit eigenen Innovationen hofft, setzen viele andere auf Partnerschaften mit chinesischen Firmen – ein Balanceakt zwischen technologischer Abhängigkeit und Marktzugang. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob dieser Weg langfristig tragfähig ist oder ob Europa eigene Wege finden muss, um im Wettlauf um das autonome Fahren nicht den Anschluss zu verlieren.
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