
Mojtaba Chamenei schwer verletzt: Die Revolutionsgarden übernehmen die Macht in Teheran
Eine der folgenreichsten Machtverschiebungen im Iran seit der Islamischen Revolution vollzieht sich hinter den Mauern des Teheraner Regierungsviertels, und sie ist nicht politischer, sondern medizinischer Natur. Der neue oberste Führer, Mojtaba Chamenei, der nach der Tötung seines Vaters Ali durch einen israelischen Luftangriff am 28. Februar an die Spitze des Staates trat, ist schwer verwundet.
Nach übereinstimmenden Informationen mehrerer iranischer Beamter, die die „New York Times“ zitiert, erlitt Chamenei bei dem Angriff auf die Residenz seines Vaters schwere Verbrennungen im Gesicht, die ihm das Sprechen erschweren, sowie mehrfache Verletzungen an Bein und Hand. Drei Operationen am Bein sind bereits erfolgt, eine Prothese steht bevor. Der oberste Führer, der seit seiner Ernennung am 9.
März kein einziges Mal öffentlich aufgetreten ist und keine Videoansprache aufgezeichnet hat, delegiert aus dem Verborgenen heraus Entscheidungsbefugnisse in einem Maße, das in der Geschichte der Islamischen Republik beispiellos ist. Aus Teheraner Sicht ist dies keine vorübergehende Schwächephase, sondern eine strukturelle Neuordnung: Ein Kollektiv von hochrangigen Generälen der Revolutionsgarden – im iranischen Diskurs oft als „Board of Directors“ des Systems bezeichnet – hat die faktische Kontrolle über Krieg, Diplomatie und die Atomverhandlungen übernommen. Chamenei, so heißt es aus Sicherheitskreisen, erhalte die Dossiers über geheime Kanäle und gebe lediglich Empfehlungen ab, während die letzte Entscheidung bei den Militärs liege.
Diese Entwicklung hat weitreichende geopolitische Implikationen. Aus Washingtoner Perspektive bedeutet die Machtverschiebung eine doppelte Herausforderung für Präsident Donald Trump, der nach dem Waffenstillstand vom 7. April eine historische Einigung mit Teheran anstrebt, aber in einer für ihn ungünstigen Wahlperiode innenpolitisch unter Druck steht.
Die Revolutionsgarden, die jahrzehntelang die Maxime des verstorbenen Ali Chamenei verinnerlicht haben, dass Verhandlungen mit den USA einen Akt der Unterwanderung darstellen, sind kompromissloser als der spirituelle Führer. Aus Pekinger Sicht bietet die Lähmung des obersten Führers dagegen eine Gelegenheit: China, das den Iran als strategischen Partner betrachtet, könnte seine Vermittlerrolle ausbauen, zumal Teheran als Vorbedingung für Gespräche in Islamabad die Aufhebung der Seeblockade fordert. Beobachter in Jerusalem hingegen sehen in der Schwächung des religiösen Führers eine Bestätigung des israelischen Kalküls, dass militärischer Druck das Regime empfindlich treffen kann.
Die Frage, die sich nun stellt, ist, ob die informelle Herrschaft der Garden Bestand haben wird oder ob sie eine Übergangsphase bis zur Genesung Chameneis darstellt. Erste Anzeichen deuten darauf hin, dass der neue Führer, der als politischer Stratege und nicht als Feldherr gilt, versuchen könnte, sein Amt zu stärken, sobald seine körperliche Verfassung es erlaubt. Doch die nächsten Wochen werden zeigen, ob Iran in eine Phase der kollektiven Führung eintritt oder ob die Konzentration der Macht in den Händen weniger Generäle das Land tiefer in den Konflikt mit dem Westen treibt.
Erweitere deinen Horizont
Washington entzieht brasilianischer Botschafterin das Visum
3 Sprachen · 43 Quellen
Aus Economy & MarketsÖlkonzerne melden sprudelnde Gewinne im zweiten Quartal – Trump rügt „zu viel Geld“
2 Sprachen · 21 Quellen
Aus TechnologySpaceX-Raketenstufe schlägt unkontrolliert auf dem Mond ein
5 Sprachen · 29 Quellen