
Neue DNA-Suche im Fall Agostina: Dritte Verdächtige in Psychiatrie eingeliefert
Die Ermittlungen zum gewaltsamen Tod der 14-jährigen Agostina Vega in Córdoba haben eine neue Dimension erreicht. Am Mittwoch durchsuchten Forensiker und Feuerwehr erneut das Haus des Hauptverdächtigen Claudio Barrelier, um weitere DNA-Spuren zu sichern. Die Staatsanwaltschaft erhofft sich davon Aufschluss über die Identität zweier Personen, die eine Stunde nach dem Eintreffen des Mädchens das Anwesen betreten haben sollen. Parallel dazu wurde die dritte Festgenommene, Soledad Andreani, nach einem psychischen Zusammenbruch in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Ihr Anwalt kritisierte das Vorgehen der Behörden: Seine Mandantin habe zunächst als Zeugin ausgesagt und sei dann plötzlich selbst beschuldigt worden.
Die Rolle der drei Inhaftierten zeichnet sich allmählich ab. Barrelier gilt als mutmaßlicher Täter, während Andreani und der bereits zuvor festgenommene Osvaldo Fassetta der Beihilfe zur Strafvereitelung beschuldigt werden. Andreani soll Barrelier ihr Auto, einen schwarzen Ford Ka, zur Verfügung gestellt haben, mit dem er nach der Tat unterwegs war. Ein Überwachungsvideo zeigt die beiden am 25. Mai gegen 13 Uhr vor einem Baumarkt. Die Verteidigung betont, Andreani habe die Aufnahmen selbst der Justiz übergeben und damit kooperiert. Die Verkäuferin des Ladens beschrieb das Verhalten des Paares als völlig normal – ein Detail, das die Ermittler vor Rätsel stellt.
Der Fall hat in Argentinien eine breite gesellschaftliche Debatte ausgelöst. Der Schauspieler Ricardo Darín bezeichnete diejenigen, die Barrelier im Jahr 2025 auf Bewährung freigelassen hatten, als „energümenos“ – eine Wortwahl, die die Wut vieler Bürger widerspiegelt. In Córdoba selbst eskalieren die Spannungen: Der Stadtrat Gustavo Pedrocca erstattete Anzeige wegen Drohungen gegen seine Tochter, nachdem er die politische Verbindung des Ex-Stadtrats Ricardo Moreno zu Barrelier öffentlich kritisiert hatte. Die Polizei sichert das Haus des Verdächtigen rund um die Uhr, nachdem dort ebenfalls Drohungen eingegangen waren.
Während die Justiz unter strenger Geheimhaltung weiterermittelt, steht die Mutter des Opfers, Melisa Heredia, unter ärztlicher Betreuung. Ihr Vater beschrieb ihren Zustand als „eine Art Parallelrealität“. Die kommenden Tage werden entscheidend sein: Barrelier hat nach seiner medizinischen Entlassung eine erneute Aussage angefordert, und die Auswertung der neuen DNA-Proben könnte das Bild der Tatnacht entscheidend verändern. Für die deutsche Öffentlichkeit ist der Fall ein weiteres Beispiel für die anhaltende Gewalt gegen Frauen in Lateinamerika – ein Problem, das auch in Europa zunehmend Aufmerksamkeit fordert.
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