
Ohne Lamine Yamal und Raphinha: Barcelona sucht in Getafe die Vorentscheidung
Der schwerwiegendste Rückschlag für den designierten Meister ereignete sich nicht auf dem Rasen, sondern im Lazarett: Lamine Yamal, das offensive Juwel des FC Barcelona, hat sich beim mühsamen 1:0-Sieg gegen Celta Vigo einen Riss des Musculus biceps femoris zugezogen und wird in der laufenden Ligasaison nicht mehr auflaufen. Dass auch der brasilianische Flügelstürmer Raphinha nach einer beim Länderspiel gegen Frankreich erlittenen Oberschenkelverletzung für das Gastspiel im Coliseum ausfällt, verwandelte die Partie gegen den FC Getafe in eine ernsthafte Belastungsprobe für die Offensivroutine der Katalanen. Am Samstagnachmittag, beim Stand von 0:0 und einem von Zweikämpfen geprägten Spiel, zeigte sich, wie sehr den Mannen von Hansi Flick die improvisatorische Breite fehlt.
Aus Madrider Perspektive wird jede Schwäche des Erzrivalen mit der Lupe vermessen. Beobachter in der spanischen Hauptstadt registrieren sehr genau, dass Barcelona ohne seine beiden Stammflügelspieler eine zuletzt überragende Angriffsmaschinerie einbüßt – 85 Tore in 32 Partien sprechen eine eigene Sprache. Gleichwohl bleibt die Ausgangslage für Real Madrid prekär: Selbst ein Remis im Coliseum – eine keineswegs abwegige Vorstellung angesichts der défensiven Disziplin Getafes, das seinerseits europäische Plätze anpeilt – würde den Vorsprung an der Tabellenspitze auf zehn Punkte anwachsen lassen. José Bordalás, Trainer der Hausherren, hatte seine Elf darauf eingeschworen, das Zentrum eng zu machen und keinen Raum für Kombinationsspiel zu gewähren; in der Anfangsphase verzeichnete Barcelona lediglich einen harmlosen Abschluss durch Olmo und Getafe zählte ganze 19 Pässe im gesamten Spiel, ein Indiz für die Zähigkeit, mit der beide Mannschaften einander neutralisierten.
Aus katalanischer Sicht wiegt der Ausfall Yamals besonders schwer, denn der erst Sechzehnjährige war längst mehr als ein Flügelstürmer – er agierte als kreativer Unruheherd, der selbst engste Deckungen sprengen konnte. Zusammen mit Raphinha bildete er die produktivste Flügelzange der Liga. Flick blieb nichts anderes übrig, als auf Ferran Torres zu setzen, der sich in dieser Saison als verlässlicher Ersatzmann bewährt hat, und auf die Routine von Robert Lewandowski im Zentrum. Doch die Vorstellung gegen das körperlich robust aufspielende Getafe machte deutlich, dass das Angriffsspiel ohne individuelle Geniestreiche an Unberechenbarkeit einbüßt. Die gelbe Karte für den französischen Außenverteidiger Jules Koundé nach einem rustikalen Einsteigen gegen Mauro Arambarri unterstrich zudem die physisch aufgeladene Atmosphäre, in die Barcelona eintauchte.
Der Blick aus Washington und Peking auf die spanische Liga mag sich auf die Frage verengen, ob Flicks Team trotz der jüngsten Champions-League-Enttäuschung gegen Atlético Madrid das nationale Geschäft mit der gebotenen Würde abschließt. Internationale Beobachter – nicht zuletzt in Deutschland, wo Flick als Bundestrainer in Erinnerung ist – sehen in den personellen Engpässen einen Test für die vielbeschworene Breite des Kaders. Dass der Traum vom Triple binnen eines Monats platzte, wirft Fragen nach der Belastungssteuerung auf, doch in der Liga bleibt der Vorsprung komfortabel. Sollte Barcelona aus den verbleibenden fünf Partien lediglich zwei Siege holen, wäre der Titel selbst bei optimaler Punkteausbeute der Königlichen kaum noch zu verspielen.
So richtet sich die Vorausschau weniger auf das Ob, sondern auf das Wie der Meisterschaft. Flick muss die verbliebenen Kräfte – Raphinha soll zu Osasuna zurückkehren, jedoch kaum in die Startelf rücken – dosieren und zugleich die taktische Balance gegen Gegner wahren, die mit physischer Wucht den Rhythmus brechen. Der Pflichttermin in Getafe war dabei ein Vorgeschmack auf jene Härteproben, die den Titelgewinn verzieren oder überschatten können. Für den deutschen Trainer, der in seiner Debütsaison die inneren Verwerfungen des Klubs beruhigt hat, wäre der Ligaerfolg eine nachhaltige Bestätigung – auch wenn der gegenwärtige Personalmangel schmerzlich an die Grenzen der Rotation erinnert.
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