
Pemex-Gewinn bricht um 70 Prozent ein – operative Fortschritte von Finanzlasten überschattet
Trotz gestiegener Produktion und Rekordumsätzen sank der Nettogewinn des mexikanischen Staatskonzerns im zweiten Quartal 2026 drastisch, belastet durch hohe Finanzierungskosten und Währungseffekte.
Der mexikanische Erdölkonzern Petróleos Mexicanos (Pemex) hat im zweiten Quartal 2026 einen Nettogewinn von 18,0 Milliarden Pesos (rund 1,04 Milliarden US-Dollar) erzielt. Das entspricht einem Einbruch von 69,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, wie aus den am Freitag veröffentlichten Finanzberichten hervorgeht. Als Hauptursachen nennt das Unternehmen einen Anstieg der Finanzierungskosten um 177 Prozent – vor allem Zinszahlungen für Anleihen –, höhere Steuerbelastungen sowie ungünstige Wechselkurseffekte. Die um Sondereffekte bereinigte Wechselkursrendite schrumpfte um 63,4 Prozent, da der Peso gegenüber dem Dollar weniger stark aufwertete als im Vorjahr.
Operativ hingegen verzeichnete Pemex deutliche Fortschritte. Die Gesamtproduktion von Kohlenwasserstoffen stieg um 4,6 Prozent auf durchschnittlich 2,447 Millionen Barrel Öläquivalent pro Tag, getragen von strategischen Feldern wie Ixachi und Maloob. Die Verarbeitung in den Raffinerien legte um 2,9 Prozent auf 1,008 Millionen Barrel pro Tag zu, die Herstellung von Mineralölprodukten wuchs um 3,4 Prozent, wobei die Dieselproduktion um 19,3 Prozent zulegte. Die Inlandsverkäufe von Kraftstoffen erhöhten sich um 9,8 Prozent, die Erlöse aus Verkäufen und Dienstleistungen kletterten um 30,3 Prozent auf 510,4 Milliarden Pesos. Aus einem operativen Verlust von 11,1 Milliarden Pesos im Vorjahresquartal wurde ein operativer Gewinn von 85,5 Milliarden Pesos.
Die Finanzverschuldung reduzierte sich zum 30. Juni 2026 auf 77,5 Milliarden Dollar, ein Rückgang von 9,1 Prozent gegenüber dem Jahresende 2025. Der Anteil kurzfristiger Verbindlichkeiten sank, was den unmittelbaren Refinanzierungsdruck mindert. Das Unternehmen bekräftigte sein Ziel einer Nettoneuverschuldung von null. Parallel dazu verbesserte sich die Liquidität, und die Verbindlichkeiten gegenüber Lieferanten gingen um 14,3 Prozent auf 374,3 Milliarden Pesos zurück.
Die operative Erholung wird jedoch von Sicherheits- und Umweltproblemen überschattet. Der Index für die Häufigkeit von Arbeitsunfällen schnellte um 44,8 Prozent in die Höhe, der Schweregradindex stieg um 85,7 Prozent. Zudem sorgte eine Ölhavarie im Golf von Mexiko für öffentliche Kritik; das Unternehmen hatte den Vorfall zunächst nicht eingeräumt und entließ in der Folge drei Führungskräfte. In den offiziellen Quartalsberichten fand die Krise keine Erwähnung, stattdessen verwies Pemex auf eine Höchstbewertung im Ranking zur Unternehmensintegrität IC500 2026 und eine Kooperation mit dem nationalen Institut für Ökologie und Klimawandel.
Für die kommenden Monate richtet sich der Blick auf die Umsetzung der im Juni vereinbarten strategischen Partnerschaft mit dem brasilianischen Konzern Petrobras. Gemeinsame Explorations- und Förderprojekte im Golf von Mexiko sollen den Produktionsrückgang langfristig umkehren. Zugleich bleibt die Schuldenlast ein Risiko für die mexikanischen Staatsfinanzen; die Ratingagentur Moody’s hatte im Mai die Bonität des Landes mit Verweis auf die Stützung von Pemex herabgestuft.
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