
Zwischen Copyright und Schwarzmarkt: Linda unter Betrugsverdacht, deutsche Stars gegen Ticketwucher
Russische Popsängerin Linda nach Verhör zur Beschuldigten geworden. Parallel fordern Künstler wie Die Toten Hosen in Deutschland schärfere Regeln gegen Ticket-Zweitmarkt.
Der Fall der russischen Popsängerin Linda, bürgerlich Swetlana Geiman, hat eine neue Eskalationsstufe erreicht. Nach einem mehrstündigen Verhör im Moskauer Hauptermittlungsdirektion der Polizei am 12. Mai wurde die Künstlerin vom Zeugen zur Beschuldigten umgestuft. Gegenstand des Verfahrens ist der Vorwurf des besonders schweren Betrugs im Zusammenhang mit Urheberrechten an ihren größten Hits der neunziger Jahre, darunter „Worona“ und „Pesni tibetskich lam“. Aus Moskauer Sicherheitskreisen verlautet, dass die Ermittler nun erwägen, einen Antrag auf Wahl einer Haftmaßnahme zu stellen. Im Zentrum des Streits steht der Produzent Maxim Fadejew, der die Lieder schrieb und die Rechte für sich beansprucht. Bereits seit November sitzt der Musikverleger Andrej Tscherkassow in Untersuchungshaft, dem ebenfalls die Veruntreuung dieser Rechte zur Last gelegt wird.
Die russische Öffentlichkeit verfolgt das Verfahren mit gespaltener Aufmerksamkeit. Fadejew selbst zeigte sich bedauernd, betonte aber, dass Rechtsfragen nicht durch Emotionen gelöst werden sollten. Beobachter in Moskau weisen auf einen unerwarteten Nebeneffekt hin: Der Skandal beflügelt Lindas Karriere. Nach Angaben des Portals KP.RU verdoppelten sich die Ticketverkäufe für ihre Konzerte; allein für den Auftritt am 14. Mai in Moskau waren die Karten innerhalb einer Stunde ausverkauft. Die Shows in kleineren Clubs mit bis zu 900 Plätzen könnten der Sängerin Einnahmen von bis zu zwei Millionen Rubel pro Abend bescheren. Der Fall offenbart die prekäre Machtdynamik zwischen Künstlern und Produzenten in Russlands Musikindustrie, in der Urheberrechtsfragen oft erst vor Gericht geklärt werden.
Während in Russland ein Promi vor dem Strafrichter steht, formiert sich in Deutschland ein branchenweiter Protest gegen ein anderes Übel. In einem offenen Brief an die Bundesregierung haben mehr als ein Dutzend namhafte Künstler – darunter Die Toten Hosen und Nina Chuba – sowie Veranstalter und Konzertagenturen strengere Regeln für den Ticket-Zweitmarkt gefordert. Fans erleben immer wieder dasselbe Szenario: Nach Sekundenschnelle ausverkauften Shows tauchen die Eintrittskarten auf Plattformen wie Viagogo zu Wucherpreisen auf. Aus Berliner Perspektive ist das kein Kavaliersdelikt, sondern eine systematische Schädigung von Konsumenten und Künstlern. Die Unterzeichner verlangen eine gesetzliche Preisobergrenze für den Weiterverkauf und eine stärkere Regulierung der digitalen Ticketplattformen.
Die beiden Entwicklungen – hier ein strafrechtlicher Konflikt um geistiges Eigentum, dort ein regulatorischer Vorstoß gegen Marktmissbrauch – zeigen die zunehmende Spannung zwischen künstlerischer Autonomie und kommerziellen Verwertungsinteressen. In Russland droht Linda eine mehrjährige Haftstrafe; in Deutschland hofft die Musikszene auf ein neues Gesetz noch in dieser Legislaturperiode. Gemeinsam ist beiden Fällen, dass sie die Frage aufwerfen, wie Urheber- und Verbraucherrechte in einer digitalisierten Wirtschaft effektiv geschützt werden können. Für Produzenten und Plattformen bedeutet dies: Die Zeiten unkontrollierter Rechtsausübung neigen sich dem Ende zu. Das Momentum für Reformen ist da – sowohl in Moskau als auch in Berlin.
| Kontinentaleuropäische Presse | −0.30 | critical |
|---|---|---|
| Russische & GUS-Presse | −0.50 | critical |
Der Fall wird als normaler Rechtsstreit zwischen Künstlerin und Produzent dargestellt, im Stil einer Gerichtsreportage. Der Statuswechsel der Sängerin von der Zeugin zur Verdächtigen in einem Betrugsfall wird ohne emotionale Betonung erwähnt. Der Fokus liegt auf Verfahrensdetails und Durchsuchungen in den Büros der beteiligten Firma.
Die russische Darstellung betont die Schwere der Anschuldigungen, spricht von besonders schwerem Betrug und einem Konflikt mit dem bekannten Produzenten Fadejew. Hervorgehoben wird, dass die Sängerin von der Polizei zur Wache gebracht wurde und dass eine echte Gefahr einer Zwangsmaßnahme besteht. Der Ton ist alarmiert über die strafrechtlichen Folgen, mit Anklängen von Empörung gegen diejenigen, die angeblich Lieder ohne Rechte genutzt haben.
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