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Gesellschaft & KulturSamstag, 16. Mai 2026

Schweiz öffnet Geheimakten über KZ-Arzt Mengele – und ein Mahnmal gegen digitale Gewalt

Die Schweiz gibt lang gehegte Geheimdienstdokumente zu Josef Mengele frei. Gleichzeitig erinnern eine neu übersetzte Ghetto-Beichte und ein Genfer Memorial an die Verletzlichkeit von Kindern.

Der Schweizer Nachrichtendienst hat angekündigt, die jahrzehntelang unter Verschluss gehaltenen Akten über den NS-Verbrecher Josef Mengele zu öffnen. Aus Berner Sicht war die Geheimhaltung bislang mit dem Schutz von Quellen und Methoden begründet worden; Historiker hatten wiederholt Zugang gefordert und spekuliert, dass der als „Todesengel von Auschwitz“ berüchtigte Lagerarzt nach seiner Flucht nach Südamerika auch in der Schweiz geweilt haben könnte. Die Ankündigung, ohne konkretes Datum, dürfte in Deutschland und Österreich mit besonderem Interesse aufgenommen werden, denn Mengeles Experimente an Kindern und Zwillingen stehen bis heute für das Äußerste an medizinischer Barbarei.

Parallel dazu wird in Jerusalem ein erschütterndes Zeitdokument neu zugänglich gemacht: Die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem legt eine sorgfältig revidierte Übersetzung des Bekenntnisses von Calel Perechodnik vor. Der jüdische Ghettopolizist aus Otwock schrieb 1943 im Warschauer Versteck die Frage „Bin ich ein Mörder?“ nieder – eine schonungslose Selbstbefragung über seine Rolle bei der Deportation von Juden, die er in der Handlungswut des Krieges kaum überlebte. Das Zeugnis, das jedes Streben nach literarischer Form verneint, wird nun in seiner ganzen sprachlichen Härte und historischen Genauigkeit zugänglich.

Während diese Aufarbeitung der Vergangenheit voranschreitet, richtet sich der Blick nach Genf, wo am Sonntag eine Gedenkstätte für ganz andere Opfer eröffnet wird: Die „Lost Screen Memorial“ zeigt die letzten Sperrbildschirme von fünfzig Kindern, die durch digitale Gewalt ums Leben kamen. Die Herzogin von Sussex wird gemeinsam mit WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus die Installation einweihen und auf die messbaren, vermeidbaren Schäden hinweisen, die von sozialen Netzwerken und Online-Missbrauch ausgehen. Aus Genfer Sicht verbindet sich hier die humanitäre Tradition der Stadt mit einer dringenden globalen Schutzforderung.

Drei Formen der Erinnerung – eine amtliche Aktenöffnung, eine autobiografische Rekonstruktion und ein digitales Mahnmal – berühren auf je eigene Weise die Frage nach der Verantwortung gegenüber verletzlichen Leben. Die Schweiz liefert mit den Mengele-Files nicht nur Versäumtes nach, sondern liefert historische Puzzleteile, die bislang Spekulationen ausgesetzt waren. Die Neuübersetzung Perechodniks wiederum schärft das Verständnis für die moralischen Grauzonen in extremen Situationen. Und das Genfer Memorial mahnt, dass die technologische Entwicklung stets auch eine ethische Dimension hat. Der Blick nach vorn wird zeigen, ob aus diesen Archiven und Mahnmalen politisches Handeln erwächst – oder ob sie als stille Zeugen der Unfähigkeit zurückbleiben, aus der Geschichte zu lernen.

Divergenz — wer erzählt sie wie
0%Niedrig
2 Blöcke · Positionen von −0.50 bis −0.30
KritischWohlwollend
EURISR
Abweichung zwischen Presseblöcken
Kontinentaleuropäische Presse−0.30critical
Israelische Presse−0.50critical
Kontinentaleuropäische Presse−0.30

Switzerland’s intelligence service has decided to declassify its files on Josef Mengele, the Nazi doctor known as the 'Angel of Death' for his atrocities at Auschwitz. The announcement is presented as a routine administrative step without grand ceremony, emphasizing the factual nature of the release. The articles note Mengele’s later visits to Switzerland and the lack of a precise date for public access, framing the story as a belated but unremarkable transparency measure.

DistanzPragmatismus
Israelische Presse−0.50

A newly restored confession by Calel Perechodnik, a Jewish ghetto policeman, is being highlighted by Yad Vashem as a raw, unpolished testimony of moral agony during the Holocaust. The article focuses on personal guilt and the impossible choices faced by those caught between survival and collaboration. The framing leans heavily on emotional introspection and the duty to remember such complex, painful voices rather than on state archives or official actions.

OpferrolleEmpörung
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Samstag, 16. Mai 2026

Schweiz öffnet Geheimakten über KZ-Arzt Mengele – und ein Mahnmal gegen digitale Gewalt

Die Schweiz gibt lang gehegte Geheimdienstdokumente zu Josef Mengele frei. Gleichzeitig erinnern eine neu übersetzte Ghetto-Beichte und ein Genfer Memorial an die Verletzlichkeit von Kindern.

Der Schweizer Nachrichtendienst hat angekündigt, die jahrzehntelang unter Verschluss gehaltenen Akten über den NS-Verbrecher Josef Mengele zu öffnen. Aus Berner Sicht war die Geheimhaltung bislang mit dem Schutz von Quellen und Methoden begründet worden; Historiker hatten wiederholt Zugang gefordert und spekuliert, dass der als „Todesengel von Auschwitz“ berüchtigte Lagerarzt nach seiner Flucht nach Südamerika auch in der Schweiz geweilt haben könnte. Die Ankündigung, ohne konkretes Datum, dürfte in Deutschland und Österreich mit besonderem Interesse aufgenommen werden, denn Mengeles Experimente an Kindern und Zwillingen stehen bis heute für das Äußerste an medizinischer Barbarei.

Parallel dazu wird in Jerusalem ein erschütterndes Zeitdokument neu zugänglich gemacht: Die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem legt eine sorgfältig revidierte Übersetzung des Bekenntnisses von Calel Perechodnik vor. Der jüdische Ghettopolizist aus Otwock schrieb 1943 im Warschauer Versteck die Frage „Bin ich ein Mörder?“ nieder – eine schonungslose Selbstbefragung über seine Rolle bei der Deportation von Juden, die er in der Handlungswut des Krieges kaum überlebte. Das Zeugnis, das jedes Streben nach literarischer Form verneint, wird nun in seiner ganzen sprachlichen Härte und historischen Genauigkeit zugänglich.

Während diese Aufarbeitung der Vergangenheit voranschreitet, richtet sich der Blick nach Genf, wo am Sonntag eine Gedenkstätte für ganz andere Opfer eröffnet wird: Die „Lost Screen Memorial“ zeigt die letzten Sperrbildschirme von fünfzig Kindern, die durch digitale Gewalt ums Leben kamen. Die Herzogin von Sussex wird gemeinsam mit WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus die Installation einweihen und auf die messbaren, vermeidbaren Schäden hinweisen, die von sozialen Netzwerken und Online-Missbrauch ausgehen. Aus Genfer Sicht verbindet sich hier die humanitäre Tradition der Stadt mit einer dringenden globalen Schutzforderung.

Drei Formen der Erinnerung – eine amtliche Aktenöffnung, eine autobiografische Rekonstruktion und ein digitales Mahnmal – berühren auf je eigene Weise die Frage nach der Verantwortung gegenüber verletzlichen Leben. Die Schweiz liefert mit den Mengele-Files nicht nur Versäumtes nach, sondern liefert historische Puzzleteile, die bislang Spekulationen ausgesetzt waren. Die Neuübersetzung Perechodniks wiederum schärft das Verständnis für die moralischen Grauzonen in extremen Situationen. Und das Genfer Memorial mahnt, dass die technologische Entwicklung stets auch eine ethische Dimension hat. Der Blick nach vorn wird zeigen, ob aus diesen Archiven und Mahnmalen politisches Handeln erwächst – oder ob sie als stille Zeugen der Unfähigkeit zurückbleiben, aus der Geschichte zu lernen.

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Kontinentaleuropäische Presse−0.30critical
Israelische Presse−0.50critical
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Switzerland’s intelligence service has decided to declassify its files on Josef Mengele, the Nazi doctor known as the 'Angel of Death' for his atrocities at Auschwitz. The announcement is presented as a routine administrative step without grand ceremony, emphasizing the factual nature of the release. The articles note Mengele’s later visits to Switzerland and the lack of a precise date for public access, framing the story as a belated but unremarkable transparency measure.

DistanzPragmatismus
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A newly restored confession by Calel Perechodnik, a Jewish ghetto policeman, is being highlighted by Yad Vashem as a raw, unpolished testimony of moral agony during the Holocaust. The article focuses on personal guilt and the impossible choices faced by those caught between survival and collaboration. The framing leans heavily on emotional introspection and the duty to remember such complex, painful voices rather than on state archives or official actions.

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