
Operation Enjambre entlarvt Infiltration des Sinaloa-Kartells in acht Kommunen Morelos'
Die mexikanische Bundesanwaltschaft deckt auf, wie das Sinaloa-Kartell über Wahlkampffinanzierung die Kontrolle über lokale Verwaltungen erlangte. Sechs Festnahmen, ein flüchtiger Bürgermeister.
Ein schwerer Schlag gegen die Verflechtung von organisiertem Verbrechen und Kommunalpolitik: Die mexikanische Generalstaatsanwaltschaft (FGR) gab am Mittwoch bekannt, dass das Sinaloa-Kartell in mindestens acht Gemeinden des Bundesstaates Morelos Fuß gefasst hat. Die kriminelle Organisation soll Wahlkämpfe von Kandidaten finanziert und politische Gegner eingeschüchtert haben, um sich nach deren Amtsübernahme Schutz für Erpressung, Drogenhandel und andere Delikte zu sichern. Im Rahmen der sogenannten „Operation Enjambre“ wurden sechs Personen festgenommen, darunter der amtierende Bürgermeister von Atlatlahucan, Agustín Toledano Amaro, und der frühere Bürgermeister von Yecapixtla, Irving Sánchez Zavala.
Die Ermittlungen konzentrieren sich auf Júpiter Araujo Bernard, alias „El Barbas“, den mutmaßlichen regionalen Anführer des Sinaloa-Kartells im Osten Morelos'. Er soll nicht nur die Schutzgelderpressung gesteuert, sondern auch direkte Verbindungen zu Amtsträgern unterhalten haben. Ein im Februar 2025 aufgetauchtes Video zeigt Araujo Bernard mit den Bürgermeistern Jesús Corona Damián von Cuautla und Agustín Toledano – ein Treffen, das nun als Belastungsmaterial dient. Corona Damián, ebenfalls aus der Mitte-Rechts-Allianz von PAN, PRI und PRD hervorgegangen, ist flüchtig; er soll noch Stunden vor der Ausstellung des Haftbefehls die Kaserne der Nationalgarde besucht haben.
Die Operation Enjambre, die im November 2024 begann, hat landesweit bereits 147 Amtsträger hinter Gittern gebracht, darunter 16 Bürgermeister oder Ex-Bürgermeister. In Morelos allein wurden acht Funktionäre verhaftet. Die Finanzermittlungsbehörde UIF sperrte zudem die Konten von 22 natürlichen und zehn juristischen Personen, die mit der Schutzstruktur in Verbindung stehen. Aus Sicht der Behörden in Mexiko-Stadt handelt es sich um einen bedeutenden Erfolg im Kampf gegen die Unterwanderung des Staates durch die Drogenkartelle. Die Affäre wirft jedoch ein Schlaglicht auf die tiefe Verwurzelung des organisierten Verbrechens in der Kommunalpolitik, die weit über Morelos hinausreicht.
Die Enthüllungen lösen in Deutschland und Europa Besorgnis aus, da Mexiko ein wichtiger Handelspartner ist und die Sicherheitslage direkte Auswirkungen auf deutsche Unternehmen hat. Besonders die Automobilindustrie – mit Werken von BMW, Volkswagen und Audi in Mexiko – beobachtet die Entwicklungen genau. Die Frage, ob die Regierung von Präsidentin Claudia Sheinbaum die Kontrolle über die von Kartellen durchsetzten Gebiete zurückgewinnen kann, bleibt offen. Die Operation Enjambre mag einzelne Netzwerke zerschlagen haben, doch das strukturelle Problem der Wahlkampffinanzierung durch kriminelle Gruppen erfordert tiefgreifende politische Reformen.
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