
Verheerende Waldbrände in Frankreich und Spanien: Hunderttausende auf der Flucht
In Südfrankreich und Zentralspanien zwingen unkontrollierte Feuer über 250.000 Menschen zur Evakuierung – Bordeaux und Madrid bedroht, ein Toter in Valencia.
Am Samstag, dem 25. Juli 2026, weiteten sich die seit Tagen wütenden Waldbrände im Südwesten Frankreichs und im Zentrum Spaniens dramatisch aus. Allein in den französischen Departements Gironde und Landes mussten nach Angaben des Innenministers Laurent Nuñez mehr als 200.000 Menschen ihre Häuser verlassen – eine der größten Evakuierungsaktionen in Friedenszeiten in der Geschichte des Landes. Die Flammen drangen bis auf etwa 30 Kilometer an die Metropole Bordeaux vor, deren westliche Vororte geräumt wurden. In Spanien, wo die Regierung erstmals den nationalen Notstand wegen Waldbränden ausrief, evakuierten die Behörden rund 60.000 Einwohner aus der Region Madrid und der Provinz Ávila; weitere etwa 28.000 wurden angewiesen, in ihren Häusern zu bleiben. Bei einem Brand nahe Manises in der Provinz Valencia kam ein Mensch ums Leben.
Die französische Regierung unter Premierminister Sébastien Lecornu sprach von einem „beispiellosen“ Ausmaß der Brände. Innenminister Nuñez bezeichnete den Kampf gegen die Flammen als „lang und sehr schwierig“. Zur Unterstützung der überlasteten Feuerwehr wurden 1.500 Soldaten mobilisiert; erstmals kam ein Militärtransporter vom Typ A400M zum Abwurf von Löschmitteln zum Einsatz. Zudem verteilte die Regierung 1,5 Millionen Atemschutzmasken. Die spanische Regierung, die die Priorität auf den Schutz von Menschenleben legte, warnte vor einer „komplexen“ Lage. Innenminister Fernando Grande-Marlaska äußerte sich am Samstagabend pessimistisch: Die Wetterbedingungen seien ungünstig, und die Nacht werde „nicht einfach“. Ministerpräsident Pedro Sánchez erklärte, die kommenden Stunden würden aufgrund unberechenbarer Winde herausfordernd bleiben.
Als unmittelbare Folge der Krise wurde die letzte Etappe der Tour de France, die für Sonntag von Thoiry nach Paris geplant war, von 133 auf 89 Kilometer verkürzt. Die Polizeipräfektur von Paris und die Organisatoren teilten mit, ein Teil der Sicherheitskräfte werde in die Brandgebiete verlegt, um die dortigen Einsatzkräfte zu entlasten. In Spanien rief das Gesundheitsministerium die Bürger Madrids auf, körperliche Aktivitäten im Freien zu meiden und bei Rauchentwicklung Masken zu tragen. Der Flughafen Bordeaux blieb zwar in Betrieb, doch Straßen- und Bahnverbindungen waren beeinträchtigt.
Die Brände werden durch eine seit Mai anhaltende Serie von Hitzewellen und eine extreme Trockenheit begünstigt. Nach Angaben des europäischen Waldbrandinformationssystems EFFIS wurden in Spanien in diesem Jahr bereits über 168.000 Hektar zerstört, in Frankreich meldete Innenminister Nuñez mit nahezu 98.000 Hektar einen „historischen Rekord“. Die Europäische Union aktivierte den Katastrophenschutzmechanismus und entsandte Löschflugzeuge, unter anderem aus Griechenland, Italien und Portugal. Die Feuer waren am späten Samstagabend noch nicht unter Kontrolle; die Behörden warnten vor einer Wiederaufflammung durch aufkommende Winde und rechneten mit einem anhaltend schwierigen Einsatz.
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