
Teheran zwischen Alltag und Kriegsangst: Chinas Wirtschaft leidet mit
In Teheran herrscht eine gespenstische Normalität. Auf der Sanai-Ghaznavi-Straße öffnen Händler ihre Läden, als ob nicht die Gefahr eines neuen Krieges im Raum stünde. Doch die Sorge ist allgegenwärtig. Mohammad, der in einem engen Schuhgeschäft zwischen Regalen mit Turnschuhen arbeitet, gesteht, dass die Kunden ausbleiben. Viele haben ihre Arbeit verloren, die Inflation frisst die Ersparnisse auf. Aus Teheraner Sicht sind die diplomatischen Gespräche mit Washington, über die in den Gängen des Regimes gemunkelt wird, für die meisten Bürger eine Farce. In der Valiasr-Straße erinnern Dutzende Kinderschuhe an ein Massaker in Minab, und Plakate mit Ajatollah Chamenei geben sich unversöhnlich: „Der Waffenstillstand ist Wahnsinn, die Verhandlungen sind Verrat“ – Parolen, die das Vertrauen der Bevölkerung in eine friedliche Lösung weiter untergraben.
Die Stimmung in der islamischen Republik ist jedoch nicht der einzige Gradmesser der Krise. Beobachter in Peking gehen davon aus, dass ein bewaffneter Konflikt am Persischen Golf die chinesische Wirtschaft hart treffen würde. In der Industriestadt Yiwu, einem Zentrum der Exportproduktion, klagen Arbeiter über ausbleibende Aufträge. Die Zollpolitik der Trump-Administration hatte schon vor der jüngsten Eskalation ihre Spuren hinterlassen; nun droht ein Krieg den Ölpreis explodieren zu lassen und die Handelswege zu blockieren. Auch wenn die chinesische Führung in öffentlichen Stellungnahmen Zurückhaltung übt, ist die Alarmbereitschaft groß. Die Arbeiter, die auf provisorischen Stühlen unter Bäumen rauchen, wirken verzweifelt: Sie schicken kaum noch Geld nach Hause, die Jobs sind unsicher. China kann es sich nicht leisten, dass ein weiterer Brandherd die Erholung nach den Handelskriegen zunichtemacht.
Aus Washingtoner Sicht bleibt das Ziel, Teheran zu Zugeständnissen im Nuklearprogramm zu zwingen. Präsident Trump hat nie ausgeschlossen, militärisch zu intervenieren, sollte die Diplomatie endgültig scheitern. Die iranische Führung wiederum setzt auf die Erschöpfung der eigenen Bevölkerung – eine riskante Strategie. Während die Mullahs die Propagandamaschinerie anwerfen, verlieren viele Iraner jede Hoffnung. Die Frage, wie Deutschland, Österreich und die Schweiz auf eine Eskalation reagieren würden, ist mehr als akademisch. Ihre Wirtschaftshilfen, ihre diplomatischen Kanäle – all das stünde auf dem Spiel. Am Ende hängt das Schicksal nicht allein an den Verhandlungstischen, sondern an der Frage, ob die Menschen in Teheran, Yiwu und Washington den nächsten Schritt noch kontrollieren können.
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