
Teotihuacán-Attentäter beigesetzt: Kanadische Touristin starb, sieben Verletzte genesen
Vier Tage nach dem Schusswaffenangriff auf der Pyramide des Mondes in Teotihuacán hat die Staatsanwaltschaft des Bundesstaates México die Leiche des Täters an seine Familie übergeben. Julio César Jasso, ein 37-jähriger Mexikaner, hatte am vergangenen Montag auf der Spitze der berühmten Ruinenstätte das Feuer auf Touristen eröffnet, eine Kanadierin getötet und dreizehn weitere Menschen verletzt, bevor er sich selbst richtete. Die Behörden ordneten an, dass der Leichnam nicht kremiert, sondern im Erdreich bestattet werden müsse – eine Verfügung, die in Mexiko selten ist und auf die Schwere der Tat verweist.
Die trauernde Mutter holte den Toten in den frühen Morgenstunden des Donnerstags ab und überführte ihn in einer Karosse zu den Begräbnisfeierlichkeiten in einem nicht genannten Ort. Aus den Krankenhäusern der Region Ixtapaluca wurde indes Entwarnung gemeldet: Drei der Schwerverletzten stehen noch unter ärztlicher Beobachtung, eine vierte Patientin verließ die Klinik auf eigenen Wunsch nach günstigem Verlauf. Die Ärzte rechnen damit, dass alle Betroffenen in den nächsten Tagen entlassen werden können.
Die mexikanische Justiz hat bislang keine Aussagen zu einem möglichen Tatmotiv gemacht. Ein von einem Touristen aufgenommenes Video, das die letzten Lebensminuten des Attentäters zeigt, ist in sozialen Netzwerken verbreitet worden. Darauf ist zu sehen, wie Jasso mit einem Rucksack die Stufen zur Pyramide hinaufsteigt, sich an einen abgelegenen Rand setzt, eine Pistole Kaliber .38 bereitmacht und dann wahllos in die Menge feuert.
Die Aufnahmen belegen, dass er den Angriff minutiös vorbereitet hatte: Bereits Stunden zuvor hatte er ein Hotel in der Nähe der Ruinen bezogen. Die Tragödie wirft ein Schlaglicht auf die Sicherheitsvorkehrungen an archäologischen Stätten, die jährlich Millionen von Besuchern aus aller Welt anziehen. Aus Sicht der Tourismusbehörden Mexikos steht zu befürchten, dass der Vorfall das Bild des Landes als sicheres Reiseziel beschädigen könnte.
Reiseveranstalter in Deutschland, Österreich und der Schweiz beobachten die Entwicklung mit Sorge. Zwar sind Schusswaffenangriffe auf archäologische Stätten äußerst selten, doch die Symbolkraft der Tat – sie ereignete sich auf einer der bekanntesten Pyramiden der Welt – wiegt schwer. Die kanadische Botschaft in Mexiko hat bereits eine Reisewarnung für die Region ausgesprochen.
In den kommenden Wochen wird die mexikanische Regierung voraussichtlich die Sicherheitsmaßnahmen an den wichtigsten Touristenattraktionen verschärfen; Metalldetektoren, Taschenkontrollen und eine erhöhte Polizeipräsenz werden diskutiert. Ob solche Maßnahmen einen Einzeltäter mit Vorsatz hätten abhalten können, bleibt fraglich. Der Fall Teotihuacán wird die Debatte über den Schutz öffentlicher Räume in Mexiko noch lange begleiten.
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