
Trump droht Kuba mit militärischer Gewalt – Havanna spricht von beispielloser Eskalation
Die jüngste Eskalation zwischen Washington und Havanna hat eine neue, gefährliche Stufe erreicht. US-Präsident Donald Trump kündigte an, ein Flugzeugträger der United States Navy, die USS Abraham Lincoln, könne sich nach Abschluss der Operationen gegen den Iran unmittelbar den kubanischen Küsten nähern – auf nur hundert Meter, wie er in einer Rede vor republikanischen Spendern in Florida prahlte. Der Tonfall der Drohung, das Land „fast sofort“ unter Kontrolle zu bringen, ist aus Washingtoner Sicht beispiellos: Nie zuvor hat ein amerikanischer Präsident so offen die Option einer militärischen Invasion der Insel ausgesprochen.
Begleitet wird die Rhetorik von einem neuen Exekutiverlass, der die Sanktionen weiter verschärft und nun auch ausländische Banken sowie Unternehmen trifft, die in den kubanischen Energie-, Bergbau- oder Verteidigungssektor investieren. Aus Havanna fiel die Reaktion entsprechend scharf aus. Präsident Miguel Díaz-Canel sprach von einer „gefährlichen und beispiellosen“ militärischen Bedrohung und rief die internationale Gemeinschaft auf, den Vereinigten Staaten Einhalt zu gebieten.
Zugleich beschwor er den Widerstandswillen der Kubaner: Kein Aggressor, so mächtig er auch sei, werde auf der Insel Kapitulation finden. Der Außenminister Bruno Rodríguez bezeichnete die neuen Sanktionen als „illegal und anmaßend“ und schloss jegliche Gespräche über politische oder wirtschaftliche Reformen aus – die innere Ordnung Kubas stehe nicht zur Diskussion. Washingtons Druck trifft das Land in einer Zeit tiefster wirtschaftlicher Not.
Die seit Jahrzehnten bestehende Lebensmittelrationierung, die „Libreta“, liefert immer weniger; in vielen Bodegas in Havanna stehen die Regale leer. Bewohner berichten, die Lage sei schlimmer als in der „Spezialperiode“ der neunziger Jahre, als die Sowjethilfe wegfiel. Stromausfälle und Medikamentenknappheit gehören zum Alltag, die Regierung macht den US-Embargo dafür verantwortlich.
Aus Pekinger und Moskauer Perspektive verfolgt man die Entwicklung mit Sorge: China und Russland, die zu den wenigen verbliebenen Wirtschaftspartnern Kubas zählen, sehen in Trumps Vorstoß einen weiteren Versuch, Einflusssphären in der Karibik neu zu ordnen. Beobachter in Berlin und Wien bewerten die Lage mit verhaltener Alarmbereitschaft: Deutsche und österreichische Unternehmen mit Cuba-Geschäften – etwa im Tourismus oder in der Pharmazie – fürchten Sekundärsanktionen, während die Europäische Union bislang an ihrer Ablehnung extraterritorialer Maßnahmen festhält. Ob die militärische Drohung real oder Teil eines innenpolitischen Kalküls vor den Zwischenwahlen ist, bleibt umstritten.
Aus Washingtoner Kreisen verlautet, die Administration prüfe tatsächlich „kinetische Optionen“, setze aber vorerst auf diplomatischen und wirtschaftlichen Druck – insbesondere auf die Privatisierung staatlicher Betriebe und den erzwungenen Bezug von US-Energie. Die kubanische Diaspora in Florida, einflussreich und finanzstark, treibt die Trump-Administration zu immer härteren Maßnahmen. Doch eine Invasion wäre ein militärischer und politischer Kraftakt mit unkalkulierbaren Risiken – nicht zuletzt für die Stabilität der gesamten Karibik.
Die kommenden Wochen werden zeigen, ob der Wolf, vor dem Havanna warnt, tatsächlich vor der Tür steht oder ob Trump lediglich das alte Lied einer nie vollzogenen Intervention neu aufgelegt hat.
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