
US-Drohung gegen Schifffahrt: Sanktionen für Hormus-Gebühren an Iran – Teheran warnt vor neuem Krieg
Mit der jüngsten Warnung des US-Finanzministeriums, dass Schifffahrtsunternehmen, die Iran für die Durchfahrt durch die Straße von Hormus bezahlen, mit Sanktionen rechnen müssen, verschärft Washington den Druck auf Teheran in einem der strategisch wichtigsten Seegebiete der Welt. Die Verfügung erstreckt sich auch auf verschleierte Zahlungen, etwa an den Iranischen Roten Halbmond, wie die Behörde für Auslandskontrolle am Freitag mitteilte. Rund ein Fünftel des weltweiten Seehandels mit Rohöl und Flüssigerdgas passiert normalerweise diese schmale Meerenge an der Mündung des Arabischen Golfs.
Aus Washingtoner Sicht zielt die Maßnahme darauf ab, Irans Versuche zu unterlaufen, die faktische Blockade der Straße nach den gemeinsamen US-israelischen Angriffen vom Februar finanziell zu nutzen. Iran hatte daraufhin den regulären Schiffsverkehr weitgehend unterbunden und bietet nun gegen Gebühren oder unter Druck erzwungene „Spenden“ eine sichere Passage entlang seiner Küste an. Die US-Regierung sieht darin einen Verstoß gegen das Völkerrecht und eine Bedrohung der globalen Energieversorgung.
In Teheran hingegen wertet man das amerikanische Vorgehen als mangelnden Willen zu einer diplomatischen Lösung. Ein hochrangiger Militärvertreter, Mohammad Jafar Asadi, erklärte, die US-Signale seien primär medienwirksam und dienten dazu, einen Ölpreisverfall zu verhindern. Zugleich ließ er verlauten, die iranischen Streitkräfte seien vollständig auf eine Wiederaufnahme der Feindseligkeiten vorbereitet. Die Gefahr neuer „Abenteuer“ sei real.
Für Deutschland, Österreich und die Schweiz, die einen erheblichen Teil ihrer Öl- und Gasimporte aus der Golfregion beziehen, verschärft dieser Konflikt die ohnehin fragilen Energiemärkte. Sollte die US-Drohung dazu führen, dass Reedereien die Durchfahrt ganz meiden, drohen Versorgungsengpässe und steigende Transportkosten. Die Bundesregierung steht vor der Herausforderung, zwischen der transatlantischen Bündnistreue und der Sicherung der Energiezufuhr abzuwägen.
Derweil beobachten Experten in Peking die Entwicklung mit Sorge. China, als größter Importeur von Rohöl aus dem Nahen Osten, hat ein vitales Interesse an der Offenhaltung der Wasserstraße. Die US-Sanktionsdrohung könnte Peking dazu bewegen, noch stärker auf alternative Routen oder eine verstärkte strategische Zusammenarbeit mit Iran zu setzen.
Ob der diplomatische Hebel der US-Sanktionen ausreicht, um Iran von weiteren Provokationen abzuhalten, bleibt fraglich. Die Ankündigung aus Teheran, das Militär in höchster Alarmbereitschaft zu halten, deutet auf eine Eskalationsbereitschaft hin, die den Schiffsverkehr im Persischen Golf noch lange beeinträchtigen könnte. Europäische Vermittlungsversuche gewinnen damit eine neue Dringlichkeit.
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