
Moskau meldet sprunghaften Anstieg der Rückkehrer – und beklagt Behinderung der Auslandswahl
Das russische Außenministerium spricht von einer Vervierfachung der repatriierten Landsleute im Jahr 2025. Zugleich werfen die Behörden westlichen Staaten vor, die Wahlteilnahme im Ausland zu sabotieren.
Aus Moskauer Sicht vollzieht sich ein Wandel: Im laufenden Jahr seien 27.000 Menschen im Rahmen des staatlichen Repatriierungsprogramms nach Russland zurückgekehrt – viermal so viele wie im Vorjahr, erklärte Gennadi Owetschko, Direktor der Abteilung für Landsleute im Außenministerium. Die Zahl wirkt auf den ersten Blick eindrucksvoll, doch unabhängige russische Medien weisen darauf hin, dass dies der niedrigste Wert seit 2011 ist. Damals waren es noch 31.000. Der Anstieg im Vergleich zum Vorjahr, so der Diplomat, sei vor allem auf Rückkehrer aus „unfreundlichen“ Staaten zurückzuführen – namentlich aus Deutschland, den baltischen Ländern, der Ukraine, Kanada und den USA. Begründet wird dies mit wachsender Russophobie und Diskriminierung, wie die Nachrichtenagentur TASS zitiert. Seit Januar 2024 lockt ein neu geschaffenes Institut der Repatriierung mit Steuervergünstigungen und sozialen Hilfen; zugleich wurden die Auswahlkriterien verschärft, etwa mit Pflichttests in russischer Sprache.
Die Motive der Betroffenen lassen sich aus westlicher Perspektive schwer verallgemeinern. Zwar mögen gesellschaftliche Spannungen oder wirtschaftliche Unsicherheiten in Ländern wie Deutschland oder Lettland eine Rolle spielen, doch berichten Auswandererberatungsstellen auch von Schwierigkeiten bei der Integration in Russland. Bemerkenswert ist die Gleichzeitigkeit zweier Entwicklungen: Während Moskau die Rückkehr von Landsleuten fördert, wirft es denselben Staaten vor, die Ausübung politischer Rechte zu behindern. Owetschko erklärte gegenüber Kommersant, lokale Behörden in Westeuropa und Nordamerika weigerten sich, Wahllokale für die bevorstehenden Dumawahlen in den Botschaften einzurichten, und schränkten das Personal administrativ ein. Ziel sei es, die russische Diaspora einzuschüchtern und das Wahlverfahren zu stören.
Ein ganz anders gelagerter Migrationsschub zeigt sich aus kolumbianischer Sicht. Dort verzeichnet die Migrationsbehörde zwischen Januar 2024 und April 2025 über 17.000 Abschiebungen aus den USA – ein Rückgang gegenüber dem Vorjahr, aber immer noch eine hohe Zahl. Die freiwillige Rückkehr in das Heimatland steht hier unter den Vorzeichen verschärfter US-Grenzkontrollen und diplomatischer Spannungen. Der Vergleich verdeutlicht, wie unterschiedlich Staaten mit ihren Diasporas umgehen: Russland setzt auf Anreize und politische Bindung, Washington auf Zwang.
Für Deutschland, Österreich und die Schweiz stellt sich die Frage, ob die russische Repatriierungsoffensive zu einem signifikanten Bevölkerungsverlust unter den dort lebenden Russischsprachigen führt. Bislang sind die absoluten Zahlen im Verhältnis zur Gesamtgröße der Gruppe von geschätzt über zwei Millionen Menschen in Deutschland gering. Doch die politische Instrumentalisierung des Themas durch Moskau könnte die Integrationsdebatte neu anheizen. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die sozialen Verheißungen des Programms halten, was sie versprechen – oder ob die Rückkehrerquote bald wieder stagniert.
Erweitere deinen Horizont
Trump setzt geplante Großangriffe auf Iran aus und knüpft Bedingungen an rasche Einigung
2 Sprachen · 74 Quellen
Aus Economy & MarketsErste koordinierte Yen-Intervention seit 1998: USA und Japan stützen die japanische Währung
5 Sprachen · 22 Quellen
Aus TechnologyVereinigte Arabische Emirate führen nationale Zahlungslösungen für Bundesgebühren ein
1 Sprache · 8 Quellen