
Von urzeitlichen Riesen bis zur demografischen Zeitenwende: Neue Einblicke in die Dynamik von Arten und Völkern
Die vielleicht verblüffendste Entdeckung dieser Tage gelang einem internationalen Genetikerteam: In den Erbanlagen heutiger indigener Südamerikaner fanden sich Signaturen, die eng mit jenen von Ureinwohnern Australasiens verwandt sind. Diese genetische Spur weist auf eine bislang unbekannte Wanderungsbewegung hin, die noch um das Jahr 720 n. Chr., zur Zeit der chinesischen Tang-Dynastie, den südamerikanischen Kontinent erreichte.
Die Studie, veröffentlicht im Fachblatt „Nature“, legt nahe, dass ein Großteil der Vorfahren heutiger Indigener nicht allein auf die allerersten Siedler zurückgeht, sondern auf eine spätere „Geisterpopulation“, deren genauer Ursprung rätselhaft bleibt. Aus Peking betrachtet mag dieser Befund die lang gehegte Vorstellung isolierter Entwicklungen erschüttern; für die europäische Archäogenetik, die in den vergangenen Jahren das Bild früher Menschheitswanderungen immer wieder revidieren musste, fügt sich die Erkenntnis in eine Reihe von Überraschungen, die den Globus als uralten Umschlagplatz von Genen und Ideen zeigen.
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