
Pressefreiheit auf 25-Jahres-Tief: Reporter ohne Grenzen zeichnet düsteres Bild der Weltlage
Zum Weltweiten Tag der Pressefreiheit am 3. Mai meldet Reporter ohne Grenzen (RSF) einen historischen Tiefstand: Nie in den letzten 25 Jahren war der globale Index der Pressefreiheit so niedrig wie 2026. Die UNESCO spricht gar von einem Einbruch, der mit den instabilsten Phasen des 20.
Jahrhunderts – den beiden Weltkriegen und dem Kalten Krieg – vergleichbar sei. Die Lage hat sich insbesondere in Konfliktregionen dramatisch zugespitzt, wo Journalisten nicht mehr nur als Berichterstatter, sondern zunehmend selbst als Zielscheibe fungieren. Nirgendwo wird dies deutlicher als im Gazastreifen, wo nach Angaben des Committee to Protect Journalists allein 2025 86 Medienschaffende ums Leben kamen.
Auch der Sudan und die Ukraine zählen zu den blutigsten Schauplätzen. Aus Beiruter Sicht beklagt der libanesische Presseclub eine doppelte Bedrohung: die tödliche Gewalt auf dem Feld und die digitale Hetze, die insbesondere Journalistinnen trifft. In Südlibanon fielen unter anderem die Reporterin Amal Khalil und ihre Kollegin Zeina Faraj israelischen Angriffen zum Opfer.
Währenddessen zeigt sich die arabische Welt gespalten. Marokko kann sich über einen Aufstieg um 15 Plätze auf Rang 105 freuen; der Chef des nationalen Journalistenverbandes, Abdelkabir Khichchen, mahnt jedoch, die erreichten Standards zu sichern. Die Liga Arabischer Staaten betont in Kairo die Bedeutung eines pluralistischen und verlässlichen Medienumfelds, das Hass und Gewalt entgegenwirke.
In Rom machte Papst Leo XIV. mit deutlichen Worten auf die „häufig flagranten, manchmal versteckten“ Verletzungen der Pressefreiheit aufmerksam. Aus italienischer Perspektive ist der Absturz um sieben Ränge auf Platz 56 besonders schmerzhaft, zumal der 3. Mai in diesem Jahr erstmals als nationaler Gedenktag für getötete Journalisten begangen wird.
Ministerpräsidentin Giorgia Meloni reagierte gereizt auf entsprechende Fragen der Presse. In Buenos Aires ruft die argentinische Zeitungsverlegervereinigung ADEPA Staat und Gesellschaft zu mehr Respekt für die journalistische Arbeit auf – eine Mahnung, die in vielen Demokratien Widerhall findet. Aus Washingtoner Sicht ist der Rückgang besonders signifikant: Unter Donald Trump fielen die USA um sieben Punkte auf Rang 64.
Der Schweizer Karikaturist Patrick Chappatte beobachtet, wie politischer Druck zur Selbstzensur führt – Zeitungen strichen Cartoons, Redaktionen wichen Kontroversen aus. Dabei sei die Satire ein Gradmesser demokratischer Gesundheit. Der globale Trend ist alarmierend: Mehr als die Hälfte aller Staaten bewertet RSF als „schwierig“ oder „sehr gefährlich“.
Das Recht auf Information erodiert selbst in gefestigten Demokratien. Die Frage, wie sich dieser Abwärtstrend umkehren lässt, bleibt für Regierungen in Berlin, Wien und Bern ebenso drängend wie für die internationale Gemeinschaft insgesamt.
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