
Englischer Fußball erprobt neue Regel gegen die taktischen Auszeiten der Torhüter
Nach wachsender Kritik an simulierten Verletzungen vereinbaren Englands Spitzenligen einen Test: Wird ein Torwart behandelt, muss ein Feldspieler das Spiel für eine Minute verlassen.
Der englische Profifußball will eine umstrittene Praxis mit einem ungewöhnlichen Experiment eindämmen. Die Football Association, die Premier League, die English Football League, die National League und die Women’s Super League haben sich darauf verständigt, eine neue Regel zu testen, die den taktischen Missbrauch von Torwartbehandlungen unterbinden soll. Vorbehaltlich der Genehmigung durch das International Football Association Board (IFAB) könnte der Versuch bereits am 1. August im Erstrundenspiel des Ligapokals zwischen Tranmere Rovers und Rochdale beginnen.
Konkret sieht die Regel vor, dass jedes Mal, wenn der Schiedsrichter das medizinische Personal zur Behandlung des Torhüters auf das Feld lässt, der Trainer zehn Sekunden Zeit hat, einen Feldspieler zu benennen, der das Spielfeld für eine Minute verlassen muss. Trifft er keine Wahl, muss automatisch der Kapitän diesen Platzverweis antreten. Auf diese Weise agiert die betroffene Mannschaft für 60 Sekunden in numerischer Unterzahl – eine spürbare Strafe, die den Anreiz für theatralische Verletzungspausen nehmen soll. Ausnahmen gelten, wenn der Torhüter angibt, keine Behandlung zu benötigen und das Spiel nicht unterbrochen wurde, bei einer Kollision mit einem Mitspieler, nach einem Foul mit sofortigem Behandlungsbedarf, bei Blutungen sowie bei schweren Verletzungen oder Verdacht auf Gehirnerschütterung.
Die Maßnahme reagiert auf eine Entwicklung, die in den letzten Jahren zunehmend für Unmut sorgte. Immer häufiger setzten sich Torhüter ohne erkennbaren Anlass auf den Rasen und winkten die Physiotherapeuten herbei, während die übrigen Spieler zur taktischen Besprechung an die Seitenlinie eilten. Der Leeds-Trainer Daniel Farke warf Manchester Citys Gianluigi Donnarumma noch im vergangenen November vor, eine solche Unterbrechung bewusst herbeigeführt zu haben, um die Regeln zu „beugen“ und den Spielfluss zu zerstören. Auch IFAB-Schiedsrichterchef Pierluigi Collina nannte die Suche nach einem Mittel gegen diese Taktik eine Priorität; bei der Weltmeisterschaft 2026 erhielten die Unparteiischen die Anweisung, Spielansammlungen an der Seitenlinie während Pausen zu unterbinden.
Dennoch hielten die englischen Verantwortlichen solche Maßnahmen für nicht ausreichend, da etwa Trinkpausen weiterhin Gelegenheit zu Traineransprachen boten. Der nun gewählte Ansatz orientiert sich an der bereits für Feldspieler geltenden Regel, wonach diese nach einer Behandlung das Feld für eine Minute verlassen müssen – mit dem Unterschied, dass beim Torwart ein Mitspieler die Strafzeit verbüßt. Das IFAB hatte zu Jahresbeginn eine sofortige Regeländerung abgelehnt, aber ausdrücklich zu Testläufen in einzelnen Ligen ermutigt. Auch die australische A-League plant einen ähnlichen Versuch, bei dem jedoch stets der Kapitän das Feld räumen muss.
Die Ergebnisse des englischen Experiments werden in den kommenden Sitzungen des IFAB ausgewertet. Sollte sich die Neuregelung bewähren, könnte sie ab der Spielzeit 2027/28 weltweit in die offiziellen Fußballregeln übernommen werden.
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The new rule in English football requires an outfield player to leave the pitch for one minute if the goalkeeper receives medical treatment, aiming to prevent goalkeepers from feigning injuries to waste time. The measure, approved by IFAB, will be trialed next season in several English divisions. It is expected to reduce tactical stoppages and ensure smoother play.
The new experimental rule in English football revolutionizes how goalkeeper injuries are handled: if the goalkeeper receives treatment, an outfield player must leave for one minute to prevent tactical time-wasting. The initiative, approved by IFAB, is seen as a step forward to ensure 90 minutes of effective play. However, some doubt its effectiveness and fear potential abuse.
English football will trial a new rule to combat time-wasting by goalkeepers who fake injuries. If a goalkeeper receives medical treatment, the team must immediately remove an outfield player for at least one minute after play resumes. The trial has been approved by IFAB and will apply in the 2026-27 season across English leagues.
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