
Japans Bevölkerung schrumpft, während ausländische Einwohner Rekordmarke überschreiten
Am 1. Januar 2026 lebten erstmals über vier Millionen Ausländer in Japan, während die japanische Bevölkerung unter 120 Millionen fiel.
Am 20. Juni 2026 saß in einem Stadion in Tokio ein junger Baseballfan und verfolgte das Spiel. Es war ein seltener Anblick in einem Land, dessen Jugend schwindet. Denn kurz zuvor, am 1. Januar, hatte die Bevölkerungsstatistik eine historische Schwelle markiert: Die Zahl der japanischen Staatsbürger war auf 119.736.483 gesunken – erstmals seit 42 Jahren unter 120 Millionen. Das Innenministerium meldete einen Rückgang um 916.744 Personen gegenüber dem Vorjahr, der stärkste Einbruch seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1968. Die Ursachen sind bekannt: eine rekordniedrige Geburtenzahl von 670.467 im Jahr 2025, während 1.593.475 Menschen starben – ein natürlicher Bevölkerungsverlust von über 920.000. Keine der 47 Präfekturen verzeichnete einen natürlichen Anstieg; selbst das dynamische Tokio wuchs nur durch Zuzug.
Doch am gleichen Stichtag offenbarten die Register eine gegenläufige Bewegung: 4.031.159 ausländische Einwohner lebten in Japan, 353.696 mehr als ein Jahr zuvor und so viele wie nie seit der statistischen Erfassung im Jahr 2013. In allen 47 Präfekturen stieg die ausländische Bevölkerung, am stärksten in Tokio mit einem Plus von 62.479, gefolgt von Osaka mit 41.401. In der verschneiten Gemeinde Kutchan auf Hokkaido, bekannt für ihre Skigebiete, wuchs die ausländische Gemeinschaft um 652 Personen – junge Arbeitskräfte, die den Andrang internationaler Touristen bewältigen. Landesweit kamen im Jahr 2025 netto 720.988 Menschen aus dem Ausland, eine Rekordzahl seit 2012. Die Zuwanderung speist sich aus der Not: Angesichts der schrumpfenden Erwerbsbevölkerung öffnet Japan schrittweise seine Türen für Arbeitsmigranten, insbesondere in Dienstleistung und Industrie.
Der Blick auf die Altersstruktur zeigt, wie jung die Zuwanderer sind: Die größte Gruppe ist zwischen 25 und 29 Jahre alt (17,7 Prozent), gefolgt von den 20- bis 24-Jährigen (16,5 Prozent). Ihr Anteil an der Erwerbsbevölkerung liegt bei 86,17 Prozent. In Tokio machen Ausländer bereits 5,57 Prozent der Einwohner aus, in Aichi 4,66 Prozent, während ländliche Präfekturen wie Akita nur auf 0,7 Prozent kommen. Die demografische Kluft vertieft sich: Während die japanische Bevölkerung das 17. Jahr in Folge sinkt und 46 von 47 Präfekturen Einwohner verlieren, sind es die Migranten, die das Schrumpfen der Städte bremsen. In Osaka, Chiba und vor allem Tokio – wo die Gesamtbevölkerung um 75.019 auf 14,08 Millionen stieg – federn sie den Rückgang ab.
Die leisen Verschiebungen sind im Alltag spürbar. In Kutchan tönen aus den Skiliften neben Japanisch nun auch Englisch und Vietnamesisch; in den Fabrikhallen von Aichi arbeiten junge Männer aus Südostasien; in den Metropolen prägen sie das Straßenbild. Die Zahl der ausländischen Einwohner steigt seit 2023, nach dem Ende der Pandemie, kontinuierlich. Doch der demografische Umbruch bleibt eine Herausforderung: Die natürliche Bevölkerungsabnahme übersteigt den Zuzug bei weitem, so dass die Einwohnerzahl insgesamt um 563.048 auf 123,77 Millionen sank.
An jenem Juniabend im Tokioter Stadion, als der junge Baseballfan dem Spiel folgte, mag er Teil einer kleiner werdenden Generation gewesen sein. Vielleicht saßen neben ihm Kinder, deren Eltern aus Hanoi oder Manila stammen. Das Spiel, das sie verfolgten, war dasselbe – doch das Land, in dem sie aufwachsen, wandelt sich leise.
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| Kontinentaleuropäische Presse | −0.20 | neutral |
With Japan losing population for 17 years, migrants become an indispensable component of the labor force. The number of foreigners has reached a record 4 million, showing that the Japanese economy is increasingly dependent on immigration.
According to official data, Japan's population has fallen below 120 million for the first time in 42 years, with a decline of 0.76%. At the same time, foreign residents increased by 9.62% across all prefectures.
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