
Cannes 2026: Blanchett klagt über erstickte #MeToo-Bewegung – Parität in der Konkurrenz bleibt Fiktion
Cate Blanchett beklagt das schnelle Ende der #MeToo-Bewegung in Hollywood und die anhaltende Schieflage auf Filmsets. Das Festival von Cannes zeigt, wie wenig vom Gleichstellungsversprechen 2018 geblieben ist.
In einer breit rezipierten Gesprächsrunde beim Festival von Cannes hat die zweifache Oscar-Preisträgerin Cate Blanchett eine ernüchternde Bilanz der #MeToo-Bewegung gezogen. Die Bewegung sei „sehr schnell getötet worden“, sagte die australische Schauspielerin, die 2018 als Jurypräsidentin in Cannes gemeinsam mit anderen Frauen symbolträchtig die Stufen des Palais des Festivals erklommen hatte. Sie frage sich, warum der Aufschrei von Frauen, die mit relativer Sicherheit von Missbrauch berichten könnten, und der Schrei der Durchschnittsfrau auf der Straße gleichermaßen unterdrückt würden. Aus Hollywooder Sicht offenbart sich damit ein systemisches Problem: Blanchett zufolge herrscht auf Filmsets noch immer eine massive Schieflage, sie zähle täglich die Anwesenden – und die Zahl der Männer übersteige die der Frauen oft um ein Vielfaches. Die Arbeit auf einem Set mit zehn Frauen und 75 Männern bezeichnete sie als „einfach sehr langweilig“, womit sie nicht nur auf Defizite in der Repräsentation, sondern auch auf eine intellektuelle Verarmung hinwies.
Acht Jahre nachdem Cannes-Generaldelegierter Thierry Fremaux mit dem französischen Kollektiv 50/50 einen Pakt zur Geschlechtergleichheit geschlossen hatte, fällt der Blick auf die aktuelle Wettbewerbssektion ernüchternd aus. Von 22 um die Goldene Palme konkurrierenden Filmen stammen nur fünf aus der Regie von Frauen. Beobachter in Paris sehen darin ein gebrochenes Versprechen: Was 2018 als historischer Aufbruch gefeiert wurde, scheint im Alltag des Festivalbetriebs verpufft zu sein. Die symbolträchtigen Bilder des gemeinsamen Aufstiegs von Blanchett, Agnès Varda, Ava DuVernay und anderen wirken heute wie eine ferne Momentaufnahme, nicht wie der Beginn einer nachhaltigen Veränderung. Der Funke sei nicht übergesprungen, so die Bilanz italienischer und französischer Medien, die das Missverhältnis zwischen Anspruch und Wirklichkeit analysieren.
Während die Debatte um Gleichstellung die diesjährige Ausgabe prägt, setzt das Programm andere Akzente. Der südkoreanische Regisseur Na Hong-jin sorgte mit seinem Science-Fiction-Actionfilm „Hope“ für Aufsehen, in dem das Starpaar Alicia Vikander und Michael Fassbender als Außerirdische auftritt. Aus asiatischer Perspektive ist das Werk als ehrgeiziger Versuch zu werten, koreanisches Genrekino global zu vermarkten – ein Vorhaben mit James-Cameron’schen Ambitionen. Daneben standen Filme wie das französische Widerstandsdrama „Moulin“ von László Nemes und „Garance“ von Jeanne Herry mit Adèle Exarchopoulos im Programm, die auf dem roten Teppich für glamouröse Bilder sorgten. Parallel zum Festival sorgte in Los Angeles die Sängerin Sabrina Carpenter in einem transparenten Dior-Kleid für Aufmerksamkeit – ein modischer Coup, der die anhaltende Faszination der Modewelt für das Nacktkleid illustriert.
Die Äußerungen Blanchetts und die Statistik der Wettbewerbsbeiträge werfen ein Schlaglicht auf eine strukturelle Krise, die weit über Cannes hinausreicht. In der Filmbranche der deutschsprachigen Länder, die ebenfalls um eine gerechtere Verteilung von Ressourcen und Entscheidungsmacht ringt, dürfte die Diagnose aus Cannes als Weckruf verstanden werden. Die Frage, ob das Festival seinen eigenen Maßstäben gerecht wird, wird die Diskussion in den kommenden Tagen weiter befeuern – und könnte den Druck auf die Verantwortlichen erhöhen, die 2018 eingegangenen Verpflichtungen mit konkreten Maßnahmen zu untermauern.
| Kontinentaleuropäische Presse | +0.90 | aligned |
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| Atlantische / angloamerikanische Presse | −0.70 | critical |
| Iranische & verwandte Presse | +0.30 | aligned |
Julianne Moore, guest of honor at Cannes for Woman in Motion, celebrated the female alliance and the slow but visible progress in gender parity. The final embrace with Selma Hayek symbolized a common front among women, while the actress emphasized the importance of comedy and raising children in a changing industry.
Julianne Moore faced backlash online after stating she does not want to act in movies with explosions and guns. During an interview at Cannes, the actress said she is less interested in tragic stories during a tough global moment, triggering negative reactions from those accusing her of being out of touch.
Oscar-winning actress Julianne Moore expressed sadness over the suppression of the MeToo movement, highlighting that the system of abuse is not limited to the film industry. Speaking at Cannes, she recalled her role as jury president in 2018 and the solidarity she showed with other actresses during the march.
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