
Chinas Drängen auf Waffenstillstand und Öffnung der Straße von Hormuz
Vor dem Trump-Besuch in Peking drängt China Iran zu einem umfassenden Waffenstillstand und rascher Wiedereröffnung der Straße von Hormuz.
Der iranische Außenminister Abbas Araghchi ist erstmals seit Kriegsbeginn nach Peking gereist, um mit seinem chinesischen Amtskollegen Wang Yi über die Krise am Golf zu beraten. Wang Yi forderte dabei eine „sofortige und vollständige Feuerpause“ und drängte auf die Wiederherstellung der freien Schifffahrt durch die Straße von Hormuz. Die internationale Gemeinschaft teile die „gemeinsame Besorgnis“ über die anhaltende Blockade der strategischen Wasserstraße. Der Besuch findet wenige Tage vor dem für Mitte Mai erwarteten Gipfel zwischen Xi Jinping und Donald Trump statt, bei dem der Iran-Konflikt eine zentrale Rolle spielen wird.
Aus Pekinger Sicht bietet sich damit eine Gelegenheit, die eigene Position als Vermittler zu stärken. China ist Irans größter Handelspartner und ständiges Mitglied des UN-Sicherheitsrats; es kann gleichzeitig auf Washington einwirken. Wang Yi betonte den Respekt vor Irans souveränem Recht auf friedliche Nutzung der Kernenergie, mahnte aber zugleich die Dringlichkeit von Verhandlungen an. Aus Teheraner Perspektive signalisiert die Reise Handlungsfähigkeit: Araghchi habe seine Gesprächsbereitschaft demonstriert, ohne bereits konkrete Zugeständnisse gemacht zu haben. Die iranische Führung dürfte jedoch unter Druck stehen, da die Blockade der Straße von Hormuz nicht nur globale Energiemärkte, sondern auch die eigene Wirtschaft belastet.
In Washington blickt man mit Spannung auf die chinesische Vermittlungsrolle. US-Außenminister Marco Rubio hatte Peking zuvor aufgefordert, seinen Einfluss auf Teheran geltend zu machen. Die Trump-Administration drängt auf eine vollständige Aufgabe der iranischen Urananreicherung und eine zwanzigjährige Aussetzung des Nuklearprogramms. China hält sich in dieser Frage bedeckt, doch Wang Yi machte deutlich, dass eine Wiederaufnahme der Kampfhandlungen nicht wünschenswert sei.
Für Europa, allen voran Deutschland, Österreich und die Schweiz, hängt viel von einer Deeskalation ab. Die Blockade des Hormuz-Kanals treibt die Energiepreise in die Höhe und gefährdet die Versorgungssicherheit. Eine diplomatische Lösung, vermittelt durch Peking, könnte die Lage entschärfen – doch die Fronten sind verhärtet. Ob China sein einzigartiges Druckmittel tatsächlich in einen Durchbruch umsetzen kann, bleibt abzuwarten. Die nächsten Tage, insbesondere das Treffen zwischen Xi und Trump, werden zeigen, ob der diplomatische Faden hält oder reißt.
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