
Rio de Janeiro: Touristen auf Aussichtspunkt in Favela von Schusswechsel überrascht
Bei einem Polizeieinsatz gegen das Comando Vermelho in der Favela Santa Marta gerieten am Dienstag rund 60 Touristen in einen Schusswechsel; vier Menschen kamen ums Leben, ein Buspassagier wurde verletzt.
In den frühen Morgenstunden des Dienstags wurden etwa 60 Touristen, darunter nach örtlichen Medienberichten Argentinier, Chilenen und ein Deutscher, auf dem Aussichtspunkt Morro Dona Marta in der Favela Santa Marta im Süden Rio de Janeiros von einem Schusswechsel überrascht. Die Besucher, die zum Sonnenaufgang auf die Anhöhe gestiegen waren, mussten sich rund 20 Minuten lang auf den Boden werfen, während in der Umgebung Schüsse und Explosionen zu hören waren. Nach Polizeiangaben kamen bei dem Einsatz vier Menschen ums Leben; keine der getöteten Personen gehörte zur Touristengruppe. Ein Fahrgast eines Linienbusses, der auf der angrenzenden Hauptstraße São Clemente unterwegs war, wurde von einer verirrten Kugel am Bein getroffen und verletzt.
Die Polizeiaktion war Teil der „Operação Contenção“, mit der die Sicherheitsbehörden das territoriale Vordringen der kriminellen Organisation Comando Vermelho eindämmen wollen. Die Beamten vollstreckten mehr als 40 Haftbefehle und Durchsuchungsbeschlüsse. Zur Zahl der Festnahmen lagen unterschiedliche Angaben vor: Während einige Quellen von vier Festgenommenen sprachen, meldeten andere bis zu sechs Verhaftungen. Der mutmaßliche örtliche Anführer der Gruppe, Francisco Rafael Dias da Silva, genannt „Mexicano“, entkam nach Behördenangaben und gilt als flüchtig.
Die Favela Santa Marta, die durch das dort gedrehte Musikvideo von Michael Jackson internationale Bekanntheit erlangte, ist ein stark frequentiertes Touristenziel. Die Polizei hatte im Vorfeld der Operation einen erheblichen Anstieg der Bewaffnung in der Gemeinde dokumentiert; die Zahl der Gewehre sei um 650 Prozent auf mindestens 30 gestiegen. Von Drohnen aufgenommene Bilder zeigten bewaffnete Männer auf offener Straße und in der Nähe eines Wochenmarkts. Die Ermittler sehen in der Lage der Favela inmitten des wohlhabenden Viertels Botafogo einen strategischen Vorteil für den Drogenhandel.
Der Einsatz reiht sich in eine seit Oktober laufende Großoffensive gegen das Comando Vermelho ein, die nach offiziellen Angaben bereits mehr als 360 Festnahmen und 137 Tote zur Folge hatte; die erste Phase in den Favela-Komplexen Penha und Alemão gilt mit 122 Toten als die verlustreichste Polizeioperation in der Geschichte des Bundesstaates. Die Lage am Dienstagmorgen war nach Polizeiangaben rasch unter Kontrolle. Die Ermittlungen zu den genauen Umständen des Schusswechsels dauern an. Über die vier Todesopfer hinaus wurden zunächst keine weiteren Verletzten unter Unbeteiligten gemeldet.
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