
Trump droht drei NATO-Partnern mit Truppenabzug: Eskalation im transatlantischen Iran-Streit
Die transatlantischen Beziehungen stehen vor einer Zerreißprobe. Präsident Donald Trump hat die Möglichkeit eines Teilabzugs amerikanischer Truppen aus Deutschland, Italien und Spanien ins Spiel gebracht. Was am Mittwoch mit einer Drohung gegen Berlin begann, weitete sich im Oval Office zu einer generellen Abrechnung mit jenen Bündnispartnern aus, die sich geweigert haben, die amerikanische Kriegführung gegen den Iran zu unterstützen. „Italien hat uns nicht geholfen, Spanien war schrecklich“, sagte Trump auf die Frage eines Journalisten, ob er auch für Rom und Madrid eine Reduzierung erwäge. „Warum sollte ich nicht?“ Die Aussagen sind Ausdruck einer neuartigen Verquickung von militärischer Präsenz und politischer Loyalität, wie sie in der Geschichte der NATO ohne Beispiel ist.
Aus Washingtoner Sicht stellt sich die Lage als Prüfung der Bündnissolidarität dar. Trump, der bereits in seiner ersten Amtszeit mit einem Teilabzug aus Deutschland gedroht hatte, reagiert auf offene Kritik des deutschen Kanzlers Friedrich Merz. Dieser hatte die amerikanische Iran-Strategie als „demütigend“ bezeichnet und Washington vorgeworfen, keine Ausstiegsstrategie zu haben. Der Präsident forderte Merz daraufhin auf, sich um die „gebrochene“ eigene Nation zu kümmern und sich nicht in die Iran-Politik einzumischen. In der US-Hauptstadt wird die Ankündigung ernst genommen, auch wenn das Pentagon – wie aus Kreisen des Verteidigungsministeriums verlautet – von Trumps Posts auf Truth Social überrascht wurde. Eine interne Planung für einen Abzug habe nicht vorgelegen.
In Europa lösen die Drohungen in den betroffenen Hauptstädten unterschiedliche Reaktionen aus. Berlin zeigt sich offiziell gelassen, betont aber die Bedeutung der transatlantischen Partnerschaft. Merz sprach sich vor Soldaten im niedersächsischen Munster für eine „starke NATO und eine verlässliche transatlantische Partnerschaft“ aus, was manche Beobachter als verdeckte Kritik an Trumps Unilateralismus werten. Der deutsche Außenminister Johann Wadephul erklärte, die Bundesrepublik sei auf jede Entscheidung vorbereitet. In Rom zeigte sich Verteidigungsminister Guido Crosetto irritiert: Er könne die Gründe nicht nachvollziehen, zumal Italien sich zu einer Hormuz-Mission bereit erklärt habe. Madrid wies Trumps Vorwurf der mangelnden Kooperation entschieden zurück. Die spanische Regierung hatte sich geweigert, ihre Luftwaffenstützpunkte für Bombardierungen des Iran zur Verfügung zu stellen – eine Entscheidung, die Trump nun mit einem Truppenabzug quittieren möchte.
Die Ankündigung fällt in eine Zeit historisch hoher Truppenpräsenz in Deutschland mit rund 36.000 Soldaten, gefolgt von Italien mit 12.600 und Spanien mit 3.800 Mann. Ein Abzug würde die operative Tiefe der NATO in Südeuropa empfindlich schwächen. Doch Politologen warnen davor, dass Trump die Sicherheitsgarantien als Druckmittel einsetzt, um die Europäer zu mehr Gefolgschaft zu zwingen. Die Frage ist, ob die Bündnispartner geschlossen gegenhalten oder ob die Uneinigkeit der Europäer dem US-Präsidenten in die Hände spielt. Fest steht: Die transatlantische Achse wankt – und die nächste Entscheidung Trumps könnte die NATO vor eine Zerreißprobe stellen, deren Ausmaß noch nicht absehbar ist.
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