
Trump verschärft Konflikt mit Italien: Meloni weist Bettel-Vorwurf zurück – Tajani sagt Reise ab
Nach der Behauptung des US-Präsidenten, Italiens Ministerpräsidentin habe auf dem G7-Gipfel um ein Foto „gebettelt“, kam es zu scharfen Reaktionen aus Rom und zur Absage eines hochrangigen Besuchs.
Die diplomatische Auseinandersetzung zwischen Washington und Rom hat sich in der vergangenen Woche erheblich zugespitzt. Auslöser war eine Äußerung von US-Präsident Donald Trump, wonach die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni ihn während des G7-Gipfels im französischen Évian-les-Bains wiederholt um ein gemeinsames Foto „gebeten“ habe; er habe nur aus Mitleid zugestimmt, da sie in Italien an Popularität verliere. Meloni wies die Darstellung in einer Videobotschaft als „vollständig erfunden“ zurück und erklärte: „Italien und ich betteln nie.“ Als unmittelbare Folge sagte Außenminister Antonio Tajani eine geplante Reise in die Vereinigten Staaten sowie ein bilaterales Wirtschaftsforum in Miami ab und bezeichnete die Äußerungen Trumps als „schwerwiegend und beleidigend“ für ganz Italien.
Aus Washingtoner Sicht wird der Konflikt in einen größeren Zusammenhang gestellt. Trump warf Italien und weiteren NATO-Partnern – namentlich Deutschland und dem Vereinigten Königreich – vor, sich nach dem US-geführten Militärschlag gegen Iran nicht solidarisch gezeigt zu haben. Auf seiner Plattform Truth Social schrieb er, die USA hätten „Billionen für die NATO ausgegeben“, doch Italien habe nicht einmal die Nutzung von Start- und Landebahnen für den Iran-Einsatz gestattet. In Rom wird dieser Vorwurf mit dem Hinweis auf verfassungsrechtliche und völkervertragliche Bindungen zurückgewiesen. Tajani betonte, der Iran-Krieg sei ein Krieg der Vereinigten Staaten, nicht der NATO, und Italien habe sich wie andere europäische Staaten an seine rechtlichen Verpflichtungen gehalten.
Die Verstimmung hat eine Vorgeschichte, die bis in den März zurückreicht. Nachdem Melonis Regierung ein Referendum über eine Justizreform verloren hatte, distanzierte sich die Ministerpräsidentin zunehmend von Trump. Beobachter in Rom werteten das Referendum als Stimmungstest für die als zu eng empfundene Nähe zum US-Präsidenten. In der Folge verweigerte Italien die Nutzung des Luftwaffenstützpunkts Sigonella auf Sizilien für amerikanische Militärflüge in den Nahen Osten. Als Trump im April Papst Leo XIV. wegen dessen Kritik am Iran-Krieg scharf angriff, nannte Meloni die Attacke „inakzeptabel“ – worauf Trump sie als „nicht mehr dieselbe Person“ bezeichnete. Europäische Diplomaten berichteten, Meloni habe Trump beim G7-Gipfel offen widersprochen und die europäische Position verteidigt.
Trotz der Schärfe der öffentlichen Wortwechsel signalisiert Rom ein fortbestehendes Interesse an einer tragfähigen transatlantischen Beziehung. Tajani kündigte an, an den Feierlichkeiten zum 250. Jahrestag der US-Unabhängigkeit in der Residenz des amerikanischen Botschafters teilzunehmen, und unterstrich, Italien sei „Freund der Vereinigten Staaten, unabhängig vom Präsidenten“. Zugleich stellte er klar, dass Italien kein „Subjekt“ eines strategischen Verbündeten sei. Trump hingegen drohte im Oval Office, die USA könnten ihrerseits „Nein“ zu den Partnern sagen. Eine förmliche Klärung der aufgeworfenen Fragen steht aus; die nächste Gelegenheit zu einem direkten Austausch auf Regierungsebene könnte sich am Rande des NATO-Gipfels in Den Haag ergeben.
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