
Yen fällt auf tiefsten Stand seit fast 40 Jahren – Tokio signalisiert Handlungsbereitschaft
Die japanische Währung durchbrach die Marke von 163 Yen je Dollar, während die Regierung in Tokio mit unkonkreten Warnungen die Erwartung einer neuerlichen Intervention schürt.
Der japanische Yen hat im New Yorker Handel am Dienstag mit 163,24 Yen je Dollar den schwächsten Stand seit Ende 1986 erreicht und notierte am Mittwochmorgen in Tokio bei rund 163,20 Yen. Wie die Nachrichtenagentur Kyodo meldet, wurde der Kursrutsch durch eine Flucht in den als sicher geltenden Dollar ausgelöst, nachdem sich die Spannungen im Nahen Osten verschärft hatten und die US-Streitkräfte in der elften Nacht in Folge Luftangriffe auf Iran flogen. Auch die anhaltend hohen Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen von 4,64 Prozent und der auf ein Sechswochenhoch gestiegene Brent-Ölpreis von fast 92 Dollar je Barrel setzten die importabhängige japanische Volkswirtschaft und ihre Währung unter Druck.
Die japanische Regierung reagierte mit der inzwischen vertrauten Rhetorik. Chefkabinettssekretär Minoru Kihara erklärte laut Kyodo, man werde „jederzeit angemessen reagieren, wenn es erforderlich ist“, lehnte aber jeden konkreten Kommentar zu den Devisenmärkten ab. Finanzministerin Satsuki Katayama hatte bereits in der Vorwoche gewarnt, die Regierung sei bereit zu handeln, sollten die Marktbewegungen als exzessiv bewertet werden. Konkrete Schritte blieben aus, doch die verbale Intervention reichte aus, um die Alarmbereitschaft der Märkte hochzuhalten. Japan hatte bereits zwischen April und Mai mit Rekordinterventionen von umgerechnet rund 71,9 Milliarden Dollar versucht, den Yen zu stützen, nachdem der Kurs die Marke von 160 durchbrochen hatte.
Als zentrale Triebfeder der Yen-Schwäche identifizieren die Quellen das anhaltend große Zinsgefälle zwischen den USA und Japan. Während die US-Notenbank Federal Reserve aufgrund der robusten Konjunktur und der Ölpreis-getriebenen Inflationsrisiken weitere Zinsschritte erwägen könnte, hält die Bank of Japan an ihrer ultralockeren Geldpolitik fest. Die Währungsstrategin der Commonwealth Bank of Australia, Samara Hammoud, wird von Reuters mit der Einschätzung zitiert, dass eine Fortdauer des Nahostkonflikts den Dollar aufgrund seines Status als sicherer Hafen und seiner positiven Korrelation mit den Ölpreisen stützen dürfte.
Die Erwartung einer baldigen Intervention ist unter Marktbeobachtern hoch, die Nachhaltigkeit eines solchen Schrittes wird jedoch bezweifelt. Die Analysten von HSBC um den globalen Devisenchef Paul Mackel gehen laut einem von Reuters zitierten Ausblick davon aus, dass Japan „möglicherweise bald wieder interveniert“, sehen aber keine dauerhafte Wirkung, solange die Bank of Japan nicht zu einer strafferen Geldpolitik übergeht oder die Fed nicht auf Zinssenkungskurs schwenkt. Der Chefmarktstratege von Nomura Securities, Yujiro Goto, warnte gegenüber Bloomberg, dass der Dollar/Yen-Kurs ohne Intervention bei anhaltend hohen Ölpreisen wohl graduell weiter steigen werde. Das Dossier bleibt damit in der Schwebe: Die japanischen Behörden beobachten die Märkte und halten sich die Option einer Intervention offen, während die fundamentalen Treiber der Yen-Schwäche unverändert fortbestehen.
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