
Israels Marine stoppt Hilfsflottille vor Kreta: Internationale Empörung über „Piraterie“
Die israelische Marine hat in der Nacht zum Donnerstag nahe der griechischen Insel Kreta eine internationale Hilfsflottille aufgebracht, die den Gazastreifen durchbrechen wollte. Nach Angaben des israelischen Außenministeriums wurden rund 175 Aktivisten von mehr als 20 Booten festgesetzt und würden „friedlich nach Israel“ gebracht. Die Organisatoren der „Global Sumud Flottille“ sprechen dagegen von bis zu 211 entführten Zivilisten und bezeichnen den Einsatz als „Piraterie“. Die 58 Schiffe waren am 12. April von Barcelona aus gestartet und führten 500 Tonnen Hilfsgüter sowie Freiwillige aus über 40 Ländern mit sich. Zeugen berichten von bewaffneten Soldaten, die an Bord kamen, Motoren und Navigationsgeräte zerstörten und die Besatzungen mit Laserpointern bedrohten. Mehrere Boote konnten sich noch in griechische Hoheitsgewässer retten, andere wurden mit Gewalt gestoppt. Der Vorfall ereignete sich in internationalen Gewässern mehr als 600 Seemeilen vor der israelischen Küste – ein Eingreifen in einem bislang nie dagewesenen Abstand zum Blockadeziel.
Aus Tel Aviver Sicht handelt es sich um eine legitime Maßnahme zur Durchsetzung der Seeblockade, die Israel mit Verweis auf Sicherheitsinteressen und den Krieg gegen die Hamas für völkerrechtskonform hält. Außenminister Gideon Sa’ar sprach von einer „PR-Aktion“ und ließ ein Video verbreiten, das angeblich Drogen an Bord zeigt. Die Flottille wies dies als inszenierte Propaganda zurück. In europäischen Hauptstädten überwiegt dagegen scharfe Kritik. Das Büro der italienischen Ministerpräsidentin Meloni forderte die sofortige Freilassung aller „rechtswidrig festgehaltenen“ Italiener – unter den 24 Festgenommenen befinden sich auch Veteranen früherer Gaza-Missionen und ein Journalist. Auch die Regierungen in Madrid, Paris und Berlin meldeten sich besorgt zu Wort, wobei das Auswärtige Amt in einer gemeinsamen Erklärung mit Rom zu „vollständiger Achtung des Völkerrechts“ mahnte, ohne Israel direkt zu nennen. Spanien bestellte die israelische Geschäftsträgerin ein, um gegen die Festnahme von 31 Spaniern zu protestieren. Aus der arabischen Welt kamen scharfe Verurteilungen: Katar sprach von einem „eklatanten Verstoß gegen das Völkerrecht“, die Türkei von „Piraterie“.
Die griechischen Behörden stehen nun vor der Aufgabe, die Freigelassenen an Land zu bringen. Sa’ar kündigte an, die Festgenommenen würden noch am Donnerstag auf einer griechischen Insel ausgeschifft – ein Zugeständnis, das die Spannungen kaum mindern dürfte. Juristisch stellt sich die Frage, ob Israels Handeln in internationalen Gewässern weit jenseits seiner angestammten Sicherheitszone mit dem Seerecht vereinbar ist. Die Flottille kündigte an, rechtliche Schritte zu prüfen. Der Vorfall könnte die ohnehin fragilen Beziehungen zwischen Israel und der EU weiter belasten, zumal er das Muster einer zunehmend extraterritorialen Durchsetzung von Blockaden zeigt. Zugleich rückt die humanitäre Not im Gazastreifen erneut in den Fokus: Die Flottille wollte nicht nur Lebensmittel und Medikamente, sondern auch medizinisches Personal an den Ort einer der schwersten Hungerkrisen der Gegenwart bringen. Solange die israelische Seeblockade andauert, werden zivile Durchbruchsversuche wohl nicht aufhören – und damit auch die völkerrechtlichen Grauzonen, die sie schaffen.
Erweitere deinen Horizont
Trump setzt geplante Großangriffe auf Iran aus und knüpft Bedingungen an rasche Einigung
6 Sprachen · 74 Quellen
Aus Economy & MarketsMexikos Wirtschaft wächst im zweiten Quartal so stark wie seit über fünf Jahren nicht mehr
1 Sprache · 18 Quellen
Aus TechnologyChery Q erhält auf der GIIAS 2026 über 6.000 Vorbestellungen
1 Sprache · 15 Quellen