
Putins Schröder-Vorschlag für Ukraine-Vermittlung scheitert an einhelliger Ablehnung
Moskau schlägt den früheren Bundeskanzler Schröder als Friedensvermittler vor. Brüssel und Berlin weisen den Vorschlag zurück – aus gutem Grund.
Die russische Führung hat einen überraschenden Schritt unternommen: Wladimir Putin schlug am Wochenende den früheren deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder als Vermittler für Friedensgespräche mit der Ukraine vor. Der Vorschlag, den Putin mit dem Hinweis auf Schröders langjährige persönliche Beziehung zu ihm begründete, stieß jedoch in Berlin und Brüssel auf sofortige und entschiedene Ablehnung. Aus Sicht der deutschen Bundesregierung handele es sich um ein „Scheinangebot“, das nicht ernsthaft auf eine Beendigung des Krieges ziele. Schröder, der von 1998 bis 2005 Kanzler war, hatte nach seinem Ausscheiden aus dem Amt lukrative Posten bei russischen Staatskonzernen wie Gazprom und Rosneft angenommen und den Kreml auch nach der Annexion der Krim 2014 und dem Einmarsch in die Ukraine 2022 nie öffentlich kritisiert. Er nannte Putin einst einen „lupenreinen Demokraten“, was seinen Ruf in der deutschen Öffentlichkeit nachhaltig beschädigte.
Von internationalen Beobachtern wird der Vorstoß deshalb als politisch durchsichtig gewertet. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas bezeichnete Schröder als „Lobbyisten für russische Staatsunternehmen“ und machte deutlich, dass er als Vermittler völlig ungeeignet sei. „Man sieht klar, warum Putin ihn will“, sagte Kallas in Brüssel. In Stockholm sprach die schwedische Presse von einem „vergifteten Vorschlag“, der keine echte Verhandlungsbereitschaft Moskaus erkennen lasse.
In Berlin hält man den Vorstoß für einen Versuch, die europäische Einheit zu spalten. Die ablehnende Haltung ist parteiübergreifend: Die Ampelkoalition und die Opposition sind sich einig, dass Schröder keine Rolle in Friedensverhandlungen spielen könne. Aus französischer Perspektive betont man, dass der Vorschlag die Glaubwürdigkeit Moskaus weiter untergrabe. Auch in Rom und Madrid wird die Idee als unseriös zurückgewiesen: Schröder sei kein neutraler Vermittler, sondern ein langjähriger Geschäftspartner des Kremls.
Hinter dem Vorstoß steht Putins wiederholte Forderung nach einer neuen Sicherheitsarchitektur in Europa, die aus russischer Sicht die Nato-Osterweiterung rückgängig machen müsste. Schröder wäre dafür ein willkommener Fürsprecher gewesen. Doch der Vorschlag dürfte nicht nur an der Ablehnung der EU und der Ukraine scheitern, sondern auch an der mangelnden Autorität des 82-Jährigen, der in Deutschland längst zur politischen Randfigur geworden ist.
Für die kommenden Monate zeichnet sich ab, dass Moskau weiterhin versuchen wird, direkte Gespräche mit Washington zu führen, während die europäischen Hauptstädte auf einer eigenständigen Rolle beharren. Schröders Nominierung könnte dabei als taktisches Manöver in die Geschichte eingehen – eines, das die tiefe Kluft zwischen Russland und dem Westen nur noch einmal deutlich vor Augen führt.
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